#TheDailyWTF – Vogue Italy im Blutrausch: Wie weit darf Mode gehen?

Wer die aktuelle Ausgabe der italienischen Vogue in die Hände bekommt, sollte sich in diesem Monat auf einiges gefasst machen. Wo wir sonst tolle Fotostrecken erblicken, die vor Lebensfreude, tollen Kulissen und natürlich wunderbarer Mode nur so strotzen, bekommen wir in der Mai Ausgabe blutverschmierte Gewaltszenen präsentiert.

Erschreckende Bilder von Frauen, die Opfer von Gewaltverbrechen wurden oder Szenen, die den Horror einer außer Kontrolle geratenen Beziehung widerspiegeln, präsentieren ganz nebenbei den neuesten „Schrei“ der Modedesigner. Ist das der richtige Weg, um dieses Thema in den Fokus der Öffentlichkeit zu stellen? Zweifelhaft.

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Franca Sozzani, Chefredakteurin der italienischen Vogue, möchte mit der neuen Mode-Strecke auf den drastischen Anstieg von häuslicher Gewalt und generell auf Gewalt gegenüber Frauen aufmerksam machen. „Wir wollen nicht schockieren, sondern das Bewusstsein für diesen verachtenswerten Horror wecken, der bestraft werden muss.“, heißt es offiziell. Mit der aktuellen Diskussion über die Bildstrecke ist das vielleicht geglückt, aber makaber bleibt der Ansatz trotzdem.

Kontrovers ist und bleibt, ob die Verarbeitung dieses sensiblen Themas in Hochglanzbildern mit bildschönen Models in den teuersten Glamour-Roben nicht das Ganze eher verharmlost, als die tatsächliche Brisanz darzustellen.

Unklar ist, was die Botschaft der von Fotograf Steven Meisel geschossenen Bilder sein soll: „Es kann jede treffen.“? „Wenigstens sitzt das Designer-Dress.“? „Gewalt gegen Frauen kann auch stylisch sein.“? Im Grunde erzeugen die Bilder dieser Fotostrecke lediglich einen faden Beigeschmack und ein beklemmendes Bauchgefühl.

Ein weiteres Statement Sozzianis verdeutlicht unserer Meinung nach noch einmal, dass sie die Ernsthaftigkeit und Sensibilität des Themas „Gewalt gegen Frauen“ nicht richtig verstanden oder umgesetzt hat. So weist sie auf ältere Ausgaben des Magazins hin, die ebenfalls „kontroverse Themen“ – und auch hier dreht sich sicher gleich schon einigen der Magen um – behandelten, wie die „Black Issue“ von 2008, in der nur dunkelhäutige Models gezeigt wurden, oder die „Curvy Issue“, in der – und jetzt kommt´s – KEIN einziges Magermodel abgebildet war. Beifall klatschen wir später…

Sorry Signora Sozziani, aber kulturelle Unterschiede und Frauen mit einem gesunden BMI mit blutverschmierten, panischen Frauen auf der Flucht oder einer, mit einem Messer dahin gemetzelten, Toten zu vergleichen, ist wirklich unverschämt und geschmacklos.

Natürlich kann es jeder für sich selbst entscheiden, wie weit Mode und Kunst gehen darf und sollte, um wichtige Themen aufzugreifen, aber unserer Meinung nach, geht die Vogue Italy hiermit eindeutig einen Schritt zu weit.

Wir haben uns bewusst gegen eine Veröffentlichung der Bilder entschieden. Wer sie sehen will, findet sie natürlich überall anders.

Das Titelbild stammt von Steven Meisel für die Vogue Italy.

Josephine

#Superfrollein, bereit jeden Tag das Glück zu suchen, Neues zu entdecken und das Leben in vollen Zügen zu genießen. #Girlboss #Herzmädchen #Wortakrobatin #Chillerperle Mehr über Josephine

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