Vielleicht machst du gar kein Ghosting, sondern bist einfach nur ein Arschloch

So Leute, es ist wieder einmal soweit. Das Fass läuft über und zwar ganz gewaltig mit ordentlich Gebrodel und Schaum. Unsere sich-selbst-verwirklichen-wollen-zwangsgesteuerte aus Wir-sind-Single-weil-wir-Angst-vor-Nähe-haben-Verbindungen bestehende Genration Y hat einen neuen Trend und der wird uns im guten alten World Wide Web derzeit wieder von allen Seiten um die Ohren geklatscht. „Ghosting“ nennt sich der neuste Bullshit aus dem Hause „Beziehungsunfähig“ und was damit gemeint ist, ist fix erklärt: Stell‘ Dir mal vor, Du bist seit zwei Jahren mit Deinem Freund bzw. Deiner Freundin zusammen, möglicherweise plant Ihr schon die erste gemeinsame Wohnung oder wollt Euch endlich diesen niedlichen Welpen zulegen und dann urplötzlich und ohne Vorwarnung meldet sich diese Arschgeige nicht mehr. Wirklich NIE (!!!!) mehr. Wird quasi zum Geist für Dich. Es ist einfach so aus und vorbei und du wurdest damit nicht bloß Deiner Beziehung beraubt, sondern wurdest außerdem um eine vernünftige und durchaus heilsame Ich-schrei-und-heul-den-ganzen-Frust-und-Schmerz-aus-mir-raus-Trennung, samt Rückfallsex, schnapsgetränkten SMS-Romanen und hysterischen aber notwendigen Wutanfällen inklusive alles durch die Gegend werfen, was einem in die Finger kommt und nachher drüber heulen, dass es kaputt ist, beraubt. Wäre dieses Verhalten an sich nicht schon zum spontan Losbrechen, erhebt die gesammelte Internet-Gemeinde diesen armseligen Scheißdreck nun obendruff noch zum neusten Hipster-Trend. Da kommt es einem doch wirklich bröckchenweise den Rachen hoch!!!

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Da fasst man sich doch wieder mal an den Kopf und fragt sich allen Ernstes: Ist diese Generation wirklich so hype-geil oder komme nur ich da nicht mehr mit? Es scheint unter uns Menschen, irgendwo zwischen gerade aus der Schule raus und kurz vorm Übergang ins Rentenalter, tatsächlich irgendwie so etwas zu geben, wie den Zwang zur Trendisierung, der nach Möglichkeit auch jedes kleinste Eckchen unseren Daseins zu erfassen hat. Und erspähen wir dann doch noch eine Sphäre unseres Lebens, die möglicherweise tatsächlich von dem ganzen Quatsch verschont geblieben ist, wälzt man einfach ein paar Gesellschaftsstudien und archivierte Artikel und bastelt ruckizucki irgendwie irgendwo irgendwas zusammen – Das Internet macht’s möglich! Kaum haben wir nämlich das Gefühl, dass da irgendwas im Gange ist, an dem wir unbedingt teilhaben müssen, wird geklickt was das Mäuschen hergibt. Und dann entsteht da eben auch mal ein „Trennungstrend“. Würg!!! Oh verzeiht, da kam grad wieder was hoch….

TRENNUNGSTREND!!!! Ist das wirklich Euer Ernst??? Stehste dann plötzlich da und denkst: „Oh Gott, jetzt habe ich doch tatsächlich dem Heiner erklärt, warum ich die Beziehung beenden möchte. Dabei ist das ja sowas von out und unschick!!“ Also ich bin bisher immer der, wie ich nun feststellen musste, offenbar kindlich naiven Vorstellung erlegen, dass das Ende einer Beziehung eine sehr persönliche und im höchsten Maße komplizierte, da mit menschlichen Emotionen verbundene, Angelegenheit ist, welche jedes Pärchen ganz im Privaten und für sich selbst bewerkstelligen muss, ohne das die gesammelte Facebook-Instagram-Twitter-Crowd da auch noch ein Wörtchen mitzureden weiß. Wie überaus rückständig von mir… Wer heute was auf sich hält, trennt sich dieser Tage via „Ghosting“.

Ganz neu ist das Ganze übrigens nicht. Schon bevor man dem Kind einen Namen gab, haben sich die Feigsten der feigen auf diese Art getrennt. Aktuell höchst brisant wurde dieser wohl armseligste Weg, einen Schlussstrich unter eine zwischenmenschliche Beziehung zu setzen, jedoch durch ein prominentes Beispiel. Spazierten Schauspielerin Charlize Theron und Kollege Sean Penn nämlich kürzlich noch Händchen haltend und jeden Klatsch-Kolumnisten dazu hinreißend, von so viel Hollywoodromantik zu Tränen gerührt das neue Traumpaar auszurufen, inniglich vereint über die roten Teppiche dieser Welt, stellte Madame nun offenbar von heute auf morgen den Kontakt zu ihrem einstigen Liebsten ein. Einfach weil die Gute Bock drauf hatte und ihr eben dieser dann fehlte, sich mit dem Herren ernsthaft auseinanderzusetzen. Wie es wirklich gelaufen ist, weiß ich nicht. Darum geht es hier aber auch gar nicht. Was mir wirklich die Kotze den Hals hoch treibt ist, dass man diesen ganzen Ich-möchte-mich-nicht-festlegen-ach-ich-bin-ja-sowas-von-unabhängig-also-komm-mir-bloß-nicht-zu-nahe-Schwachmaten auch noch eine Legitimation für den Sondermüll verschafft, den sie da fabrizieren. Lasst es Euch gesagt sein, wer es nach Wochen, Monaten oder Jahren der trauten Zweisamkeit nicht für nötig hält, sich wenigstens mit Anstand und ein wenig Tränen, Geschrei und Schmerz von dem Menschen an seiner Seite zu verabschieden, ist definitiv kein Trendsetter. Der ist einfach nur ein asozialer Penner. Punkt!

Das Beitragsbild stammt von Alex Kania vom Cropped Magazine.

Anna

#PowerPuffGirl mit ausgeprägten Hang zur Lebensfreude, hat Hummeln im Po und Flausen im Kopf. #Schnackerperle #Bullshitqueen #AusDerReiheTänzerin #Piratenprinzessin Mehr über Anna

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