#VOTD: Always #likeagirl

Um den obereifrigen, überkritischen Medienbeobachtern schon mal vorab den Wind aus den Segeln zu nehmen: Es ist mir vollkommen bewusst, dass es sich bei dem Video, dass ich Euch in diesem Beitrag ans Herz legen will, um die Kampagne eines Multimillionen-Konzerns, nämlich der Marke „Always“, handelt und damit vor allem auch wirtschaftliche Interessen verfolgt werden. Schon klar! Das Gesagte und Gezeigte wiegt dadurch aber nicht weniger schwer und verliert außerdem nicht im Geringsten an Relevanz. So viel also dazu. Aber fangen wir mit einem kleinen gedanklichen Exkurs an:

likeagirl-always

Wenn ich jetzt hier mit dem Wort Feminismus komme, mag wahrscheinlich die oder vor allem wohl der eine oder andere in Erwartung eines männer-verteufelnden, girlpower-idealistischen Monologs genervt mit den Augen rollen – mir ginge es angesichts mancher Ausschweifungen bekannter Vertreterinnen der Frauenbewegung wahrscheinlich nicht anders. Aber keine Bange, es ist nicht meine Absicht hier ein feministisches Manifest zu verfassen oder mich als reden-schwingende Frauenrechtlerin aufzuspielen. Das Thema brennt mir aber schon seit einer ganzen Weile auf der Seele und der eingangs erwähnte Always-Dreiminüter gibt mir die Gelegenheit endlich einmal ein paar Worte darüber zu verlieren.

Während ich mich heute durchaus auf eine Art, die weder mit wuchernder Achselbehaarung noch mit der vollkommenen Verdammnis der männlich Gattung zutun hat, als Feministin bezeichnen würde, hätte ich das vor gar nicht allzu langer Zeit wohl noch nicht getan. Nicht aber, weil ich mich etwa mit der Rolle der Frau in dieser Welt abgefunden hatte, es mir nicht immer wieder sauer aufgestoßen wäre, dass es mit der Gleichberechtigung der Geschlechter bei Weitem noch nicht so weit her ist, wie unsere Gesellschaft es gerne vorgibt oder ich mich früher nicht tagtäglich mit Alltags-Seximus vom Feinsten konfrontiert sah – ja, liebe Herren, wir finden es durchaus nicht so prickelnd, wie ihr vielleicht vermuten mögt, wenn ihr uns unverhohlen feixend in der Bahn angafft oder beim Vorübergehen auf der Straße wie die letzten Machos hinterher pfeift, weil die Kombination aus vor Testosteron nur so strotzendem Körper und schwachem Geist euch dazu zwingt und wir fallen auch ganz sicher nicht vor Entzücken in Ohnmacht, weil ihr uns mal wieder bewaffnet mit allerlei saftigen Chauvi-Sprüchen und natürlich vollkommen ungefragt an der Bar anbaggert. Vielmehr hatte ich lange Zeit einfach ein verqueres Bild im Kopf, von dem, was eine Feministin tatsächlich ist, in dem ich mich selbst so gar nicht wiederfinden mochte. Wir kennen sie doch alle, die Klischees über Frauenrechtlerinnen. Das sind Ökotanten in Biolatschen, die sich, weil sie sich nicht dem Schönheitsideal einer von Männern dominierten Gesellschaft unterwerfen wollen, auf die regelmäßige Beinrasur und den Gebrauch von Deodorants verzichten, ja noch nicht einmal eine Mascara im Hause haben, verbitterte Weibchen, die der Herrenwelt vor lauter Beziehungsfrust komplett abgeschworen haben, an jeder Ecke eine patriarchische Verschwörung wittern und garniert mit schnippischen Bemerkungen und zickigen Ansagen ein männer-verachtendes Ideal vertreten.

Kein Wunder also, dass Frau meist nur ein hämischen Grinsen erntet – wohlgemerkt von Mann UND Frau – outet sie sich als Feministin. Der Kampf um die Rechte der Frau hat irgendwie etwas Lächerliches und weil sich an dieser Vorstellung scheinbar so gar nichts geändert hat, seit Omi noch um ihren Stand in der Gesellschaft kämpfte, ist eine gesunde Portion Feminismus für jede von uns heute umso wichtiger. Ohne mich in weiteren Klischees ergehen oder alle über einen Kamm scheren zu wollen: Männer mögen diesen Stereotyp gern benutzen, weil sie sich sonst womöglich von der Vereinigung weiblicher Schönheit, Willensstärke und Intelligenz bedroht fühlen müssten oder es – auch wenn es nur die Wenigsten zugeben würden – wahrscheinlich längst tun. Warum aber machen auch wir Frauen unseren Feminismus und damit auch uns selbst eigentlich immer so schlecht?

Und damit kommen wir zurück zu dem eingangs erwähnten Video: Dieser Frage hat sich nun nämlich auch der Damenhygieneartikel-Hersteller „Always“ angenommen und liefert uns mit einem dreiminütigen Video den eindrucksvollen und zugleich traurigen Beweis, dass Gleichberechtigung zwischen Männlein und Weiblein, also das, wofür ein vernünftiger Feminismus nun mal stehen sollte, auch 2014 im alltäglichen Miteinander noch immer ein kleines aber feines Märchen ist, nicht zuletzt weil gerade wir Frauen scheinbar nur allzu gern unsere eigene Kompetenz und Stärke ganz selbstverständlich immer wieder selbst untergraben. Jede(r) von uns hat wohl schon einmal eine Formulierungen gebraucht wie etwa „Stell dich nicht so an, du bist doch kein Mädchen.“ oder „du tust dieses oder jenes wie ein Mädchen“ und jede(r) von uns weiß, dass damit ganz sicher nicht gemeint ist, dass der Gegenüber seine Sache sonderlich gut macht. Aber warum eigentlich nicht? Wann und mit welcher Berechtigung ist der Ausdruck „wie ein Mädchen“ eigentlich zur Beleidigung geworden? Und warum nehmen auch wir, die weiblichen Vertreterinnen der Menschheit, es ganz widerspruchslos hin, dass diese Floskel noch immer als Degradierung funktioniert? Höchste Zeit, dass sich daran etwas ändert, denn wir Mädels haben doch so einiges drauf! In diesem Sinne: #likeagirl

Die Bilder stammen von always.com und YouTube.de

Anna

#PowerPuffGirl mit ausgeprägten Hang zur Lebensfreude, hat Hummeln im Po und Flausen im Kopf. #Schnackerperle #Bullshitqueen #AusDerReiheTänzerin #Piratenprinzessin Mehr über Anna

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