Peeple: Die neue App für alle Hater

Es ist soweit, ein neuer Tiefpunkt wurde erreicht. Vor einigen Wochen ging die App Peeple in Kanada online und bietet damit eine Plattform auf der sich Menschen in den Kategorien Persönliches, Berufliches und Dating gegenseitig bewerten können und ihre Meinung über jeden dort angemeldeten Mitmenschen auf deren Profil posten können. Somit ist es jetzt den onlineaffinen Kanadiern möglich, nach Lust und Laune den Hausarzt zu loben, über die Kellnerin beim Lieblingsitaliener herzuziehen oder die Liebeskünste des Ex zu beurteilen. Zwar kann der Profileigner darüber entscheiden, ob eine Bewertung online und damit für alle sichtbar sein soll oder eben nicht, aber bald soll es auch eine kostenpflichtige Version namens “Truth License” geben, bei der einem einfach jede Bewertung angezeigt wird – egal, ob positiv oder negativ. Sinn und Zweck soll laut den kanadischen Gründerinnen Julia Cordray und Nicole McCullough sein, dass man sich die Leute in seinem Umfeld bewusster und besser aussuchen kann. Aber mal ganz ehrlich: Will man zum Beispiel etwas über das vergangene Liebesleben des Dates hören und Beurteilungen der Ex-Freundin bzw. des Ex-Freundes lesen? Ich eher nicht. Und ist es generell nicht schon schlimm genug, dass wir neue Leute erst einmal bei Facebook checken oder bei Google suchen? Bye bye, Neugier und Kennlern-Zauber… Zumindest im privaten Bereich finde ich die App also mehr als fragwürdig; die beruflichen Aspekte lasse ich mir ja noch gefallen. Es mag tatsächlich nützlich sein, den neuen Chef, den neuen Mitarbeiter oder die Kollegen schon im Voraus einschätzen zu können und etwas über vergangene Jobs oder Aufträge zu erfahren, aber auch dafür gibt es eigentlich bereits ausreichend Portale und Websites, auf denen man sich zum Beispiel über Ausbildung und Jobstationen einer Person oder über Service, Preis-Leistungs-Verhältnis und Qualität einer Werbeagentur, eines Schusters oder auch des China-Imbiss um die Ecke informieren kann. Schön und gut, kann schon nützlich sein, aber sollten wir uns – egal ob beruflich oder privat – nicht vor allem auf unsere Intuition und unser Gespür für Menschen verlassen?

Peeple Screenshot Reaktionen auf Peeple

Das Problem an der ganzen Sache ist einfach, dass nicht objektiv beurteilt, sondern subjektiv bewertet werden kann. Anstatt über Arbeitsleistung und Dinge wie Zuverlässigkeit etc. wird im Privaten über den Menschen selbst und seinen Charakter geurteilt; im besten Fall seine Stärken, im schlimmsten Fall aber seine Fehler für alle sichtbar gemacht. Alle Menschen haben Schwächen (derjenige, der keine zu haben glaubt, werfe den ersten Stein und schlage sich damit bitte selbst K.O.!), ist es also nötig, diese auf einer Plattform darzustellen? Was erstmal seinen Weg ins Netz gefunden hat, wird dort nicht so schnell wieder verschwinden und so kann sich ein einzelner Eintrag mehr als nur rufschädigend auswirken. Zum Beispiel für die Kellnerin, die in meinem Lieblingsrestaurant arbeitet und ihre Hose auf unästhetische Weise immer sehr tief trägt. Zappzarapp landet ein kleiner fieser Post auf ihrer Seite. Was für Folgen mein negativer Kommentar für die gute Frau mit Faible für Hüfthosen hat, ist mir egal. Vielleicht bekommt sie vom Chef einfach einen Gürtel verpasst, vielleicht wird ihr gekündigt. Was soll’s. Aber wollen wir wirklich, dass das in Zukunft so läuft? Wollen wir, dass uns jeder kleine oder auch größere Fehler ewig anlastet und privat oder beruflich immer vorgehalten werden kann? Von wirklich jedem? Fehler, dumme Entscheidungen und Erfahrungen mit den “falschen” als auch den “richtigen” Leuten machen uns doch erst menschlich und zu dem, was wir sind.

Wird Peeple also die neue Plattform, bei der ohne Scham und Verstand gegen jeden “gehatet” werden darf? Nein, sagen die Macherinnen und brüsten sich damit, dass die Bewertungen nicht anonym geschrieben und gepostet werden dürften. Bei der Anmeldung müsste man ja schließlich seine Facebookseite und eine Telefonnummer angeben und  das würde die Leute dann davon abhalten, allzu heftige Hasstiraden und ausufernde, beleidigende Kritiken zu schreiben. Ist klar. Funktioniert ja bei Facebook auch sehr gut… Aber hey, zumindest wissen wir ab jetzt ganz genau, wer uns nicht leiden kann und was unsere einstigen Liebhaber insgeheim doch immer gestört hat. Nicht weniger interessant ist die Tatsache, dass Peeple – die positive App für postive Menschen – laut den AGB natürlich keine Verantwortung für gepostete, eventuell rufschädigende Bewertungen und deren Auswirkungen auf das Privat- oder Berufsleben des Users übernimmt. Trotz aller oder besser gesagt wegen der vielen Kritik haben Julia Cordray und Nicole McCullough ihr vorläufiges Ziel, nämlich weltweite mediale Aufmerksamkeit schon erreicht. Genau darum und dank der Tatsache, dass wir meiner Meinung nach keine Menschen-Bewertungs-App brauchen, habe ich lange überlegt, ob ich diesen Text überhaupt schreiben soll. Aber ich habe mich dafür entscheiden und zwar um laut und deutlich zu sagen, dass einen Menschen mehr ausmacht, als die Dinge die über ihn erzählt oder geschrieben werden.

Alle Bilder stammen von Peeple.com.

 

Lisa

#Knallermiss, die das Köpfchen gern mal in den Wolken und geile Treter an den Füßen trägt. #Berlingörli #Honigkuchenperle #Modemädchen #Tagträumerin Mehr über Lisa

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