It-Piece Kleinkind: Von Kita-Knirpsen und Designer Bags…

In der vergangenen Wochen haben wir uns mal wieder ins Getümmel der Berlin Fashion Week gestürzt und da einige echte #Kracher gesehen, leider aber auch ein bisschen Bullshit und zwar der gepflegtesten Sorte. Bevor ich hier aber zum Kern der Sache komme ein paar Worte vorweg: Nein, ich möchte mich jetzt nicht in die Riege derer einreihen, die sich gern überall und lauthals über die Berliner Modewoche auskotzen, nur, um am Ende doch wieder am schrillsten „Hier!“ zu kreischen, wenn die ersten Goodie Bags und Freigetränke verteilt werden. Viel lieber möchte ich all den notorischen, heuchlerischen „Die Berlin Fashion Week ist ja sowas von scheiße!“-Nörglern mal gepflegt ein paar Takte erzählen und ihnen ihr scheinheiliges Gehabe mit ordentlichst Schmackes um die Ohren knallen… aber das ist eine andere Geschichte und soll bloß im Vorfeld die Sach- und meine Gemütslage zum Thema Berliner Fashion Week klären. Wenn mir die Berliner Modewoche heute also ausnahmsweise auch mal Anlass zum Motzen gibt, dann hat das nicht etwa etwas mit unter- oder überschätzten Designern oder unterbesetzte Front Rowe zu tun, sondern mit einigen Besuchern oder den kleinen – und verzeiht bitte den schrägen Ausdruck – „Accessoires“, mit denen sich diese, immer häufiger wie mir scheint, schmücken. harper-seven-beckham-front-row

Als nichts anderes als als zierendes Beiwerk scheinen nämlich einige fashionvictimized-te Muttis und Vatis ihre lieben Kleinen anzusehen, wenn sie sie, statt zum fröhlichen Spielen mit den kleinen Freunden in den Kindergarten zu bringen, zu einem Spektakel mitschleppen, das selbst für leidgeprüfteste Modemädchen manchmal zur echten Geduldsprobe werden kann. Ich meine, was hat der quasi frisch geschlüpfte Dreikäsehoch davon, in einem überheizten, überfüllten, lauten Raum 30 Minuten – wenn’s gut läuft und nicht noch drölf weitere Shows folgen – mucksmäuschenstill auf Mamas Schoss sitzen zu müssen – ne gepflegte Reizüberflutung wohl aber keinen Spaß. All die Stimmen, die laute Musik, die blinkenden Lichter – so viele Eindrücke kann ein so kleines Menschlein doch noch gar nicht verarbeiten. Und selbst im Vorraum zum Runway ist es ja nicht besser. Gewusel, ordentlich Geräuschpegel und jede Menge schrille Farben und Lichter. Klar, die Kleinen tragen riesige Kopfhörer, damit ihnen zumindest die laute Musik während der Show nicht noch drei Stunden später in den Ohren bimmelt, trotzdem kann ich mir vorstellen, das Lottchen und Co. sich im Sandkasten wohler fühlen, als zwischen all den fremden Gesichtern, Gerüchen und Geräuschen. Aber es scheint eben irgendwie ultra hip geworden zu sein, sich seinen Jüngsten, wie die neue Designerhandtasche unter den Arm zu klemmen oder die auf oberstylisch gebürstete Dreijährige seinen Freunden aus dem Biz vorzuführen, wie ein auf Hochglanz poliertes Schmuckstück. Ob die kleine Sophie lieber mit ihren Püppchen spielen würde, als sektgetränkten Erwachsenengesprächen zu lauschen, interessiert eben nicht, wenn Muddi die lässige Fashionmami geben will. Schließlich machen es die Kim Kardashians und Victoria Beckhams der Welt ja regelmäßig vor und zerren Harper Seven, North West und Co. nur all zu gern ins Rampenlicht der Front Rows – (Erstere bohrt offensichtlich aber lieber in der Nase, als das piekfeine Fashionpüppchen zu geben. Go Harper ;)!) Da muss die Durchschnittsfashionista aus Berlin Mitte natürlich mitziehen. Ist ja sooo très chic…

Oh ja, ich sehe sie schon vor mir, die antiautoritär erziehenden Prenzlauer Berg Muttis, wie sie jetzt empört mit ihren frisch manikürten Zeigefingern fuchteln und schimpfen: „Dieses Deutschland wird immer kinderfeindlicher!“ Mhhh… also schimpft mich naiv, aber ich empfinde Spielplatz und Fangen spielen als kindgerechter als ein vollgestopftes Fashion Zelt und ewiges Stillsitzen. Und schließlich ist es mit den Kiddies am Rande des Laufstegs ja auch noch nicht getan. Die größte Grenzwertigkeit in dieser Angelegenheit servierte uns nämlich das Label Sportalm, welches das Lebend-Accessoire im Kleinkindalter samt schniekem Pelz am Kapüzchen sogar auf dem Runway inszenierte. Ist doch voll süß… ja nee, ist es irgendwie nicht. Schließlich können die Lütten ja nicht mal selbst entscheiden, im grell flackernden Blitzlicht der Fotografen einen auf Mini-Model zu machen und den kleinen Timmy zum putzigen Äquivalent einer angesagten It-Bag zu machen, finde ich ziemlich bedenklich, um nicht zu sagen irgendwie abartig. Aber hey, wenn’s schon der Laufsteg diktiert.

Und klar, ich als kinderlose Endzwanzigerin habe natürlich leicht reden, muss ich mich doch nicht Herausforderungen wie der Frage nach dem „Wohin mit dem Nachwuchs, wenn Babysitter, Großeltern und Kita gerade pünktlich zur Fashion Week verreist, geschlossen, nicht verfügbar sind?“ stellen. Ja, das kann schon eine kniffelige Angelegenheit sein. Aber: Dann liebe Mamis und Papis, heißt es wohl einfach mal Prioritäten setzen und die fallen dann hoffentlich zu Gunsten des kleinen Henry aus…

Die Bilder stammen von gettyimages.de.

Anna

#PowerPuffGirl mit ausgeprägten Hang zur Lebensfreude, hat Hummeln im Po und Flausen im Kopf. #Schnackerperle #Bullshitqueen #AusDerReiheTänzerin #Piratenprinzessin Mehr über Anna

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