#TheDailyWTF -Invasion Photoshop: Utah High School photoshopped Jahrbuch

Am Freitag berichteten wir schon darüber, wie alten Kunstwerken per Photoshop eine digitale Magerkur verpasst wurde und das war an Skurrilität schon kaum zu übertreffen. Ich meine, ist es nicht traurig, dass dieser fanatische Schönheitswahn schon so einen Stellenwert in unserer Gesellschaft eingenommen hat, dass man selbst vor historischen Kunstwerken keinen Halt mehr macht bzw. mit dieser Aktion vom Online-Magazine takepart.com gezeigt bekommt, wie gestört unsere Gesellschaft in Bezug auf dieses Thema doch ist. Und als wenn wir nicht schon genug – sei es im Fernsehen, in der Werbung oder in den Magazinen – von wunderschönen, makellosen und perfekten Körpern und Gesichtern umgeben wären, die uns mit Selbstzweifeln und kritischen Blicken in den Spiegel gucken lassen, hat die Wasatch High School in Utah wohl nun endgültig den Vogel abgeschossen.

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Was ist wohl, abgesehen vom Zeugnis, ganz typisch für den High School Abschluss? Natürlich, das Jahrbuch – bei uns die gute alte Abi-Zeitung. Und das bedeutet für die Schüler nicht nur viel Arbeit, sondern auch den Druck, auf den soooo wichtigen Abschlussfotos – schließlich wird man auf diesen ein Leben lang verewigt – besonders gut auszusehen. Und was, wenn ich genau an diesem Tag nicht einen meiner vorteilhaftesten erwischt habe? Keine Panik, die Rettung naht, denn in Zukunft brauchen sich die weiblichen – die Betonung liegt bei WEIBLICHEN – Absolventen keine Sorgen mehr um ihr Aussehen zu machen, denn die Wasatch High School hat jetzt Photoshop für sich entdeckt und auch keine Scheu davor, diese “Waffe“ einzusetzen.

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Wer also zufällig, an diesem “heiligen“ Tag, ein ähnliches Outfit wie eine seiner Mitschülerin an hat, dem werden z.B. einfach die passenden Ärmel ans Top angebracht. Außerdem im Angebot ist das Entfernen von unerwünschten Tätowierungen, Pickelchen, sonstigen Hautproblemen oder unschönen Zahnspangen und auch ein zu freizügiges Dekolleté wird einfach per Mausklick korrigiert – schon ist die Welt wieder in Ordnung. So dachte es sich zumindest die Wasatch High School: „We can help kids better prepare for their future by knowing how to dress appropriately“ – was dann wohl im Klartext heißt „so wie sich die Gesellschaft dein Aussehen wünscht“. Das man den jungen Frauen damit aber das Gefühl vermittelt nicht schön genug oder angemessen gekleidet für die Gesellschaft zu sein, daran haben die Verantwortlichen wohl nicht gedacht. Einige der Schülerinnen wussten von ihrem „Glück“ sogar nichts. Wie mag sich so ein junges Mädchen wohl fühlen, wenn sie ihr Gesicht komplett retuschiert im Jahrbuch wieder findet oder ihr unfreiwillig ein Top angezogen wird, um das anscheinend übertrieben freizügige Dekolleté zu bedecken? Muss doch wahnsinnig verletzend und auch demütigend sein – zumindest würde ich das so empfinden. Warum also dürfen die Schülerinnen ihre Arme nicht zeigen oder ein Top mit ein bisschen Ausschnitt tragen? Und warum werden eigentlich nur die Absolventinnen retuschiert? Möge mir das bitte einer erklären!!!

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Dies ist wieder ein Paradebeispiel dafür, wie absurd die gesellschaftlichen Konventionen doch manchmal sein können und wie starr und eingefahren manche Ansichten noch immer sind.

Gibt es eigentlich nichts Wichtigeres mehr, als schlank, makellos und gesellschaftlich angemessen zu sein – was auch immer das bedeuten mag? Oder muss man zum tausendsten Mal, z.B. mit dem perfekten Selfie auf Facebook oder Instagram seine Mitmenschen mit der “eigenen Schönheit“ überzeugen? Wir wissen doch eh alle, dass zig Filter drübergepackt wurden und die Person leider oftmals in Natura nicht so schön aussieht, wie es die Bilder vermuten lassen – gut für mich gibt es auch noch ein Unterschied zwischen süßen, sympathischen Selfies und übertrieben in Pose geschmissenen, affektierten Selbstportraits, aber das besprechen wir nicht heute. Ich finde nur, dass das Ganze mittlerweile wirklich sehr anstrengend ist und die Wasatch High School in Utah hat mir bzw. uns wieder gezeigt, wie verkorkst dieser Schönheitskult doch sein kann.

Alle Bilder stammen von elle.com.

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