Im Namen der Schönheit: Die Zeichen der Kleider auf unserer Haut

Schlüpfen wir am Abend aus unseren Alltagsklamotten, haben diese sich in kunstvollen Linien auf unserer Haut verewigt. Seien es die Nähte der Skinny-Jeans, die sich unsere Beine entlang schlängeln, die Abdrücke des trägerlosen BHs, der eben doch nicht so bombenfest saß, wie es die Verkäuferin versprochen hatte, oder eben die Muster, die die neuen Riemchensandaletten auf bzw. in unseren Füßen eingeprägt haben – Die Zeichen unserer Kleidung kann man jeden Abend auf unseren Körpern ablesen.

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Genau diesen Spuren, die Mode auf unserer Haut hinterlässt, widmet sich der Fotograf Justin Bartels. Schon während seiner College-Zeit wunderte sich der Kalifornier, warum Frauen sich in so enge Kleidung zwängen, dass dieses sich zumindest temporär auf dem Körper einprägt. In seinem neuen Projekt, welches unter dem Namen IMPRESSION gerade das Netz erobert, beschäftigt sich Bartels mit diesem Thema und wirft damit viele Fragen über das WARUM und noch viel mehr über das für WEN auf. „Es interessierte mich, warum so viele Frauen einengende und unbequeme Kleidung tragen, nur um entweder andere zu beeindrucken oder sie auf sich aufmerksam zu machen, oder für ihr eigenes Selbstbewusstsein.“ so Bartels und damit spricht er vielen aus der Seele. Also warum?

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Wer schön sein will, muss leiden? Haben wir das nicht alle bereits als kleine Mädchen so oft gehört, wenn Mutti uns morgens die Haare kämmte und die fiesen Knoten, die über Nacht durch unsere wilden Kinder-Träume in den dünnen Strähnen entstanden sind, die Prozedur zu einer ziependen Qual machten. Und sagen wir diesen Satz nicht auch heute noch viel zu oft zu uns selbst, wenn der Leder-Pencilskirt den ganzen Tag den Bauch einklemmt, aber eben doch so einen knackigen Po macht, dass man sich in der Mittagspause wie Jennifer Lopez fühlt, wenn man zum Asiaten um die Ecke geht, um sich mit leckerem Curry zu versorgen? Und warum muss Schönheit denn eigentlich weh tun? Ich selbst verfluche mich regelmäßig, wenn ich diesen Satz denke, geschweige denn ausspreche. Ich hasse ihn und finde, dass er keinem Mädchen ins Gehirn eingebrannt werden sollte. Und warum ist für uns besonders alles das schön, was uns formt und verändert und uns zwangsläufig einengt – von körperlichen Druckstellen mal ganz abgesehen?

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Und wofür denn eigentlich das ganze Geziepe, Gedrücke, Eingeschnüre und so weiter, das uns wahre Perfektion verspricht?

Männer denken ja grundsätzlich, dass Frauen sich nur für sie in Schale schmeißen. Sind sie vergeben, zieht sich die Liebste hübsch an, um IHM zu gefallen. Sind sie Single, dann geht SIE in ihren heißen Kleidern auf Männerfang und behauptet sie das Gegenteil und will einfach nur einen tollen Abend mit den Mädels verbringen, ist sie entweder eine Lügnerin, die sich selbst nicht eingestehen will, dass sie sich eigentlich nur nach einem starken Mann sehnt, eine verrückte Feministin, die wohl noch nie einen echten Mann an ihrer Seite hatte, oder eine Lesbe, die gar keinen will – oder eben nur einer Modeerscheinung hinterher hechelt. So oder so ähnlich ist das doch, oder? Ich bin ja der Überzeugung, dass ich größtenteils von äußerst intelligenten Männern umgeben bin, die nicht nur über jede Menge Grips, sondern auch das nötige Einfühlungsvermögen verfügen, um es eigentlich besser zu wissen, und doch habe ich mir das ein oder andere Klischee auch des Öfteren von diesen schlauen Jungs anhören müssen. Vielleicht haben sie es smarter formuliert als Hans-Jörg, der Bier trinkend in seinem Garten hockt und der Blondine auf dem Gehweg hinterher grölt… ich weiß, apropos Klischee und so… aber darum geht es ja nicht einmal. Frauen hingegen denken leider auch viel zu oft, dass sich andere Frauen nur für Männer anziehen… Da will ich gar nichts beschönigen. Und ja, auch ich kenne einige Mädels da draußen, die nichts anderes im Kopf haben, als den Männern den selbigen zu verdrehen. Und ab und an ist das natürlich auch absolut ok, sonst wären wir ja alle einsam und so ein bisschen den Kopf verdrehen und verdreht bekommen, wollen wir und sollten wir doch alle auch dann und wann. Aber es sollte eben nicht der Grund für unser Dasein und das tägliche Aufstehen sein. Und genau da setzt mein Widerwille ein und eine wichtige Frage, die ich mir für mich persönlich auch noch nie so wirklich gestellt habe.

Wofür ziehe ich mich an?

So ganz genau kann ich das gar nicht formulieren oder festlegen. Ich mag Mode, mag die Möglichkeiten, die sie mir jeden Tag gibt – klingt abgedroschen…ist aber so. Ich will jeden Tag sein können, wer ich sein will. In meinem Kopf macht das Sinn, denn ich bin eben nicht eindimensional und darum will ich auch meinen Style jeden Tag nach Lust und Laune ändern. Wem ich damit gefallen will? Ich denke in erster Linie mir. Es gibt genug Schätzchen in meinem Schrank, von denen ich ganz genau weiß, dass mein Liebster, die beste Freundin, die Mutter oder sonst wer nicht unbedingt freudigst zustimmen würde – aber das ist für mich auch komplett egal. Ich muss nicht immer gefallen. Nur mir 🙂 Wenn ich dann merke, dass einer meiner liebsten Menschen oder aber auch ein völlig Fremder mit mir stylekompatibel ist, ist das dann nur ein Bonus. Ist aber weder ein Faktor dafür, wie gut oder schlecht mein Tag wird, noch ein Schub in Sachen Selbstbewusstsein.

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Aber zurück zum Anfang. Wenn vielen Frauen – und da gehe ich einfach mal von dem aus, was die Frauen in meinem Umfeld mir so erzählen – sich für sich selbst kleiden, und gar nicht den Anspruch an ihre Kleidung haben, andere damit zu beeindrucken, warum tragen wir dann Kleidung, die so eng oder vermeintlich unvorteilhaft geschnitten ist, dass sie sich in unsere Haut „einschneidet“? Warum können wir dann nicht einfach in lockeren Jeans und Shirt das Haus verlassen? Weil wir es eben so wollen und sich solche Druckstellen bei manchen Kleidungsstücken einfach nicht vermeiden lassen. Manchmal muss es eben eng sein, damit es sich richtig anfühlt und sitzt. Skinny Jeans sollen wie eine zweite Haut sitzen, dass sie dabei auch Abdrücke hinterlassen ist doch ganz normal. Und nicht nur Frauen kennen das. Wie oft sieht man den Liebsten mit fiesen Abdrücken um die Knöchel, wenn er nach einem langen Arbeitstag die Socken ausgezogen hat und barfuß durchs Wohnzimmer schlappt? Da möchte man doch glatt protestierend schreien „Warum tut er sich das bloß an?“. Ihr versteht, was ich meine.

Ich persönlich denke, dass hier mal wieder alles zu schnell hochdiskutiert wird. Frauen lieben Mode und tragen eben manchmal Dinge, die anschließend Spuren hinterlassen. Für wen, warum und weshalb wir das tun, bleibt doch uns überlassen und sollte, jetzt wo das Thema schon einmal angesprochen wurde, jeder für sich einfach mal überdenken. Solange wir jedoch dafür nicht unsere Gesundheit gefährden – und da müssen wir den nicht sitzenden BH noch einmal mahnend erwähnen – ist doch alles ok 🙂

Alle Bilder stammen von Justin Bartels.

Josephine

#Superfrollein, bereit jeden Tag das Glück zu suchen, Neues zu entdecken und das Leben in vollen Zügen zu genießen. #Girlboss #Herzmädchen #Wortakrobatin #Chillerperle Mehr über Josephine

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