#LassMaSchnacken – Thies Meyer – Die Frisur sitzt!

In einem Café in Neukölln treffe ich Thies Meyer zum Interview. Und nein, wir haben uns nicht über den Halt von Haarsprays unterhalten, sondern über sein junges und erfolgreiches Modelabel Frisur. Der 25-Jährige ist Mitbegründer des Labels, entwirft nun seit einigen Jahren eigene Kollektionen für Frisur und hat gerade sein Modedesignstudium abgeschlossen. Ich habe mit Thies über die Anfänge von Frisur, die Arbeit als Designer bei einem eigenen Label und die Pläne und Visionen für die Zukunft gesprochen.

Also Thies, Du bist erst 25 und hast nun schon seit einigen Jahren Dein eigenes Modelabel namens Frisur. Erzähl mal, wie es dazu kam und wie alles angefangen hat. 

Das hat im Prinzip schon zu Schulzeiten seinen Anfang gefunden. Ich habe in der 9. Klasse mit Stephan Sunder-Plassmann zusammen ein kleines T-Shirt-Druck-Projekt gemacht und das hat sich dann über die Jahre weiterentwickelt. Ich habe parallel mit dem Nähen begonnen und erste Schnitte entwickelt. Zu Abi-Zeiten haben wir dann einen Produzenten gefunden, bei dem wir die Sachen herstellen lassen konnten und die erste kleine „Kollektion“ auf den Markt gebracht. Das waren damals vier Kapuzen-Pullover und vier T-Shirts. Das Interesse, Mode zu machen, hat mich die Schulzeit über so verfolgt, dass es nach dem Abi auf der Hand lag, weiterzumachen bzw. erst richtig zu beginnen. Ich habe dann erst überlegt Modemanagement oder so etwas zu studieren und mich gleichzeitig auch an Kunsthochschulen beworben und bin dann an der Universität der Künste angenommen worden. Da dachte ich mir „Ok, dann soll es das wohl sein.“. Parallel zum Studium haben wir das Label weiterentwickelt. Ich habe im Studium gelernt und trainiert, Kollektionskonzepte zu entwickeln, ein Markenbild zu formen und dementsprechend sieht das Label jetzt einfach ganz anders aus als 2007 oder 2008, als wir die ersten Teile auf den Markt gebracht haben.

Angefangen hat also alles mit T-Shirts. Hast Du noch die ganz alten, allerersten T-Shirts und erinnert man sich gerne daran? 

Ja, wir haben einige der ersten Teile archiviert. Die ersten T-Shirts haben wir hauptsächlich im Freundeskreis verteilt. Es ist also gleichzeitig auch eine Erinnerung an die Menschen, mit denen ich damals Zeit verbracht habe. Ich freue mich immer zu hören, wenn mir jemand erzählt, dass er noch so ein Shirt im Schrank hat. Da hängt einfach ganz viel dran.

Wie seid Ihr auf den Namen Frisur gekommen und welcher Gedanke steckt hinter diesem Namen? 

Naja…, was man halt mit 15 Jahren so für Gedanken hat… Wir dachten, wenn sich andere Leute zum Beispiel Fubu oder so nennen können, warum können wir dann nicht Frisur heißen? Gleichzeitig war auch das erste Logo, das wir hatten, ein Kopf mit zwei Zöpfen dran und dann haben wir uns halt ganz naiv Frisur genannt. Inzwischen hat sich das Logo natürlich komplett verändert, aber was eben geblieben ist, ist dieser Name. Wir mögen den Namen bis heute, weil es so ein schönes, deutsches Wort ist. Das passt gut zu unserer Marke und natürlich zu unserem Standort. 

Wo hast Du Dich denn damals noch fürs Studium beworben und was hat Dich letztendlich dazu bewegt, nach Berlin zu kommen? 

Ich habe mich ziemlich rund um beworben. Also in Amsterdam, in Hannover, Halle, Hamburg und in Bremen. Ich hatte mehrere Zusagen und habe mich für die UdK entschieden. Es ist ja schon eine renommierte Schule und wenn es diese sein darf, dann will ich es auch ausprobieren. Ich war eigentlich kein so ein großer Freund dieser Stadt, aber habe sie zu schätzen gelernt.

Du und Stephan arbeitet ja immer noch zusammen an Frisur. Wie ist die Arbeit als Designer-Duo? 

Nach dem Abi ist Stephan zunächst zwei Jahre nach Weimar gegangen und hat dort studiert. In der Zeit haben wir praktisch das Label von Berlin und Weimar aus geleitet. Dann ist er auch nach Berlin gezogen und hat jetzt gerade seinen Bachelor in Visueller Kommunikation an der UdK gemacht. Die Arbeit von verschiedenen Orten aus hat schon funktioniert, ist aber wesentlich mühsamer und weniger produktiv. Es macht auch mehr Spaß, wenn man einen Platz hat, an dem man zusammen arbeiten kann. 

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Wie gestaltet sich denn Eure Zusammenarbeit genau? Hat jeder seinen eigenen Aufgabenbereich? 

Es hat sich parallel zum Studium herauskristallisiert, dass sich eben jeder mehr und mehr spezialisiert. Inzwischen ist es so, dass ich eigentlich die Kollektion, also den ganzen textilen Part und vor allem die ganze Kommunikation mit den Produzenten, die Produktionsabwicklung und Organisation übernehme. Das ist so mein Hauptteil und Stephan kümmert sich viel um Printprodukte, die Homepage, den Onlineshop etc. Aber grundsätzlich beginnen wir jede Kollektion so, dass wir uns zusammen hinsetzen und uns ein Konzept oder eine Geschichte ausdenken, über die wir erzählen wollen. Dann fängt jeder an zu recherchieren mit den Mitteln, die er mag und so entsteht ein breites und disziplinübergreifendes Spektrum, aus dem wir schöpfen können. Wenn wir eine Vorstellung von der Kollektion haben, beginnt jeder seinen Teil umzusetzen. Es gibt aber keine absolute Aufteilung von Aufgaben. Wir sind schließlich ein kleines Team und so kommt es, das jeder alles mal macht und man sich natürlich auch gegenseitig über die Schulter schaut. Das ist eigentlich auch etwas total Schönes, wenn sich das Arbeiten so abwechslungsreich gestaltet.

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Und geratet Ihr bei der Arbeit auch schon mal aneinander? 

Es ist eigentlich sehr harmonisch (lacht). Ich glaube, es ist auf jeden Fall etwas Besonderes, dass es so gut funktioniert und wir schon so lange zusammenarbeiten. Vielleicht ist es auch gerade der Punkt, dass das Ganze aus einer Freundschaft heraus entstanden ist. Es wäre wahrscheinlich ein ganz anderes Arbeiten, wenn man so eine Zweckgemeinschaft hätte. Das stelle ich mir schwieriger vor. Bisher, toi toi toi, hat alles immer sehr gut funktioniert. 

Eure aktuelle Spring/Summer Kollektion erinnert mit Fransen, Jeans und Cowboy-Motiven an einen Western. Wie kamt Ihr auf dieses, vom Wilden Westen inspirierte Kollektionsthema? 

Der Ausgangspunkt war Buffalo Bill. Er hat um 1900 herum Wild-West Shows nach Europa gebracht. Wir finden die Vorstellung so witzig, dass er unter anderem in Braunschweig Wild-West Shows veranstaltete, zu denen er irgendwie 400 Indianer aus Amerika herübergeschafft hat. Sogar mit Pferden! Die sind dann durch die Innenstadt von Braunschweig galoppiert. Es gibt ganz tolle Fotos, wo man diesen Clash hat aus eigentlich „ethnischen Persönlichkeiten“ auf Pferden und auf der anderen Seite diesen gut angezogenen Menschen um 1900, wo man eben noch selbstverständlich Hut und Mantel getragen hat und vielleicht mit einem Stock unterwegs war. Diesen angezogenen Stil mögen wir auch total gerne. 

Das war eigentlich so der Anreiz, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Im nächsten Schritt schauen wir uns dann eben die Kleidung und Dokumente aus der Zeit genauer an, versuchen Elemente daraus zu ziehen und diese in einen zeitgemäßen Kontext zu übersetzen. Ein schönes Beispiel ist das “Bucking Bulls pattern”. Wir haben Originale handgemalte Plakate zu den Wild-West Shows gefunden, einzelne Elemente neu arrangiert und einen Jaquard daraus stricken lassen.

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Und die andere Kollektion, die jetzt auch Teile Deiner Diplomkollektion beinhaltet, worum geht es da? 

Thema meiner Diplomkollektion ist das Paradies, aber unter der gleichen Recherche ist auch die fw14 Frisur Kollektion entstanden. Es geht um die Vorstellung von Perfektion. Bei „Paradies“ denkt man ja erst mal „Ok, das ist der optimale Ort.“. Was ich in der Kollektion eigentlich hinterfrage, ist, inwieweit so ein Optimum eigentlich erträglich ist. Die Frisur Kollektion arbeitet mit Symboliken, wie zum Beispiel dem Flamingo-Print und dem Fountain of Youth. Für die Inszenierung haben wir eine hyperreale Szenerie gewählt. Wir haben einen Ort im Studio kreiert, der die Naturgesetze, an die unser Auge gewöhnt ist, aufhebt. Das erinnert manchmal an computergenerierte Welten. Ich finde die Idee von einer Gleichsetzung des Paradieses mit virtuellen Welten sehr spannend und zeitgemäß. 

In der Diplomkollektion gehe ich narrativer vor. Alles beginnt mit einem Bild der Welt vor der Schöpfung. Eine sirrendes, ungeordnetes Chaos, aus dem das Paradies entstehen wird. Sie gipfelt in einem komplett goldenen Anzug, wo man dann hinterfragen kann „ist das eigentlich noch attraktiv oder ist das vielleicht etwas over the top? Mit dem Sündenfall löst sich die Kollektion auf. Eine Abbildung des nackten Körpers legt sich über die sichere Anzugschale und spielt mit dem Schamempfinden des Trägers und Betrachters.

Flamingo Print
Goldener Anzug

Du bist jetzt fertig mit dem Studium und kannst Dich nun wieder voll und ganz Frisur widmen. Was steht denn nun konkret als Nächstes bei Dir an?

Ich arbeite jetzt gerade hauptsächlich an der Sommer 2015 Kollektion, die auf der nächsten Fashion Week präsentiert wird – nicht als Modenschau, sondern in einem Showroom. Neben dieser Hauptarbeit geht gleichzeitig von Seiten der Uni die Organisation der UdK Modenschau los, aber im Prinzip ist die Diplomkollektion fertig und bereit, auf der Show präsentiert zu werden.

Freust Du Dich auf die Show?

Ja, auf jeden Fall! Es gibt diese Modenschau von der UdK ja jedes Jahr. Dabei werden eben alle Arbeiten gezeigt, die in dem Jahr entstanden sind und dementsprechend war ich mit älteren Semesterprojekten auch schon vertreten. Es ist aber so, dass nicht auf jede Kollektion wirklich ausführlich eingegangen werden kann, sondern das alle Outfits zu einem Thema hintereinander gezeigt werden. Dieses Jahr als Absolvent ist das spannender, da ich wahrscheinlich einen “eigenen” Slot bekomme und dann zum Beispiel auch das Kollektionsthema genannt wird. Außerdem kann ich den Soundtrack zu meiner Kollektion mit entscheiden. Das sind solche Sachen, die mir voll viel Spaß machen, ich meine, dass man jetzt mit anderen Medien in der Inszenierung noch einmal einen Schritt weitergehen kann. Was ich ein bisschen ärgerlich bei Modenschauen finde, ist, dass durch die Distanz alles so sehr auf die Silhouette reduziert wird. Das ist zwar auch spannend, aber ich bin glaub ich mehr so der „Detail-Designer“. Ich mag es zum Beispiel einfach gerne, noch einen besonderen Knopf auszusuchen oder irgendeinen Stoff zu finden, der eine besondere Haptik hat. Stofffall war jetzt auch in der Diplomkollektion ein ganz großes Thema. Bei der Modenschau hab ich auch gerade deswegen ein bisschen Angst davor, dass da einfach nicht mehr sichtbar ist, was man sich alles überlegt hat. Aber das ist halt die Challenge.

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Mal abgesehen von Modenschauen: Wie versucht Ihr auf Frisur aufmerksam zu machen?

Wir zeigen Frisur eigentlich seit 2010 regelmäßig auf Messen, hauptsächlich in Berlin, aber wir waren auch schon einmal in Paris. Dort sind dann aber keine Modenschauen sondern Showrooms, wo Einkäufer und Journalisten uns treffen können, sich die Kollektion anschauen und die Kollektion eben auch anfassen können. Ich finde das eigentlich auch immer sehr schön, wenn man wirklich die Details und die Qualität sehen kann. Ansonsten arbeiten wir jetzt seit April hier in Berlin mit einer Presseagentur zusammen und so konnten wir die Frisur Kollektion zum ersten Mal auf den German Press Days zeigen. Parallel arbeiten wir seit Januar mit einer Presse- und Sales Agentur in Stockholm zusammen. Wir haben das Gefühl, dass wir in Deutschland inzwischen relativ gut vertreten sind und fokussieren uns im Augenblick darauf, die richtigen Kunden im Ausland zu erreichen.

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Thies Meyer

Und wie genau geht Ihr das im Ausland an?

Neben Berlin wird es noch Showrooms in New York, Paris, Kopenhagen und Stockholm geben.

Berlin, Stockholm, New York – das klingt schon alles ziemlich professionell. Aber wie finanziert Ihr Euch momentan? Das ist für ein junges Label doch gar nicht so einfach?

Ja, das ist echt nicht so einfach. Wir haben schon damals, als wir angefangen haben, also praktisch 2007, eine Unterstützung von unserer Bank bekommen und haben seitdem eigentlich immer so gearbeitet, dass wir selber wenig bis gar nichts rausziehen und Gewinne wieder investieren. So sind wir bis jetzt gewachsen. Das hat bisher auch gut funktioniert.

Noch mal zurück zum kreativeren Teil. Ihr macht Mode für Männer und für Frauen. War das eine bewusste Entscheidung oder hat sich das so ergeben?

Wir haben von Anfang an Sachen für Frauen und Männer gemacht und sind auch immer noch froh darüber, dass wir beides machen. Mir macht beides Spaß und ich finde es einfach spannend, eine Idee einmal für Männer und einmal für Frauen auszuarbeiten. Da gibt es ja so ganz unterschiedliche Möglichkeiten! Bei Männern ist es viel viel strenger, es gibt viel mehr Regeln und Gesetze, was irgendwie gut ist und gleichzeitig ist es manchmal auch schön, wenn man, ausgefallenere Teile entwerfen kann, was bei Männern eigentlich super schwierig ist – zumindest auf verkäuflicher Ebene – und bei Frauen dann plötzlich total gut funktioniert.

Sind denn auch neue Produkte wie zum Beispiel eine Accessoire-Linie in Planung?

Da lüfte ich direkt mal ein Geheimnis… Es wird ab August das erste Mal Frisur Schuhe geben. Außerdem entwerfen wir gerade neue Lederaccessoires. Die sollen dann komplett in Deutschland gefertigt werden. Mehr kann ich dazu aber gerade noch nicht sagen.

Zu guter Letzt: Wo kann man Frisur kaufen? Nur im Onlineshop?

Die komplette Kollektion gibt es auf jeden Fall immer bei uns im Onlineshop und sonst sind es im Augenblick so 40-50 Händler, die unsere Sachen in Deutschland und Europa und jetzt neu auch in den USA vertreiben.

(In Berlin gibt’s Frisur bei „Adrett“ im Weinbergsweg und im „Flagship Store“ in der Oderberger Straße)

5 schnelle Fragen an Thies Meyer:

Lieblingskleidungsstück?

Das ändert sich ständig, aber ich trage super gerne einfach ein bequemes Hemd.

Lieblingsdesigner?

Ich habe keinen richtigen Lieblingsdesigner. Zwar mag ich zum Beispiel Raf Simons super gerne, weil er so vielseitig gestalten kann. Aber letztendlich gucke ich mir einfach total gerne Marken an. Gar nicht mal, weil ich so konkrete Teile von denen toll finde, sondern eher weil mir das Markenkonzept oder das Markenbild gefällt. Mich beeindruckt oft eher so das Gesamtwerk aus Design, Marketing bis hin zur Shopgestaltung etc.

Jogginghosen: Ja oder Nein?

Auf jeden Fall!

Dürfen Männer Pink und Lila tragen?

Das kommt auf den Mann an. (lacht)

Was sollte jeder Mann unbedingt im Kleiderschrank haben?

Etwas, worin er sich gut fühlt. Ich finde, das hängt ganz stark von dem Mann und von dem Kontext ab. Ich möchte niemandem vorschreiben, was er zu tragen hat, aber ich finde es irgendwie wichtig, dass man sich überlegt, was man anzieht.

Alle Bilder stammen von Alexander Kania vom Cropped Magazine. Die Kollektionsbilder stammen von Frisur.

Lisa

#Knallermiss, die das Köpfchen gern mal in den Wolken und geile Treter an den Füßen trägt. #Berlingörli #Honigkuchenperle #Modemädchen #Tagträumerin Mehr über Lisa

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