#LassMaSchnacken – Sandra Beier, Design Assistance Outerwear bei Joop!

Gut sechs Jahre ist es her, dass ich Sandra gesehen habe – und sechs Jahre sind nach der Ausbildung schon eine ziemlich lange Zeit…. Daher ist es immer umso spannender, wenn man den Kontakt wieder aufnimmt und hört, wie sich der Andere so entwickelt, welche Wege er eingeschlagen und welche Pläne er für die Zukunft hat.

Bei mir und Sandra könnten die Schritte nach der Mofa, an der wir, zwar in unterschiedlichen Semestern, beide unsere Ausbildung zur Modedesignerin gemacht haben, nicht unterschiedlicher sein. Während ich an der Tastatur meine Berufung gefunden habe, hat Sandra den Pfad eingeschlagen, den eine Ausbildung als Modedesignerin für gewöhnlich ebnet.

Und weil es super spannend und auch inspirierend ist, mal von einem Insider zu erfahren, wie dieser klassische Weg nach der Ausbildung oder dem Studium in Sachen Modedesign aussieht, wie der Alltag eines Jungdesigners abläuft und wie man in einem großen Modeunternehmen arbeitet, habe ich Sandra mal ein paar Details entlockt, um auch Euch einen Eiblick in all diese Fragen zu ermöglichen.

Seit Deiner Ausbildung zur staatlich anerkannten Modedesignerin hat sich viel bei dir getan. Du arbeitest erfolgreich bei JOOP! und bist momentan Assistenz für die Outwear Kollektion. Wie schwer war der Einstieg? Man hört ja immer wieder, dass die begehrten Stellen bei den großen Unternehmen, gerade für frische Absolventen der Modeschulen und Unis, nahezu unerreichbar sind.

Ich hatte ziemliches Glück, denn ich wurde angefragt. Eine ehemalige Kommilitonin hatte mich angerufen, ob ich Interesse an einer Assistenz-Stelle im Modellmacher-Bereich hätte. Da ich zu der Zeit erst ein Gespräch für ein Praktikum hinter mir hatte und es mit der Stelle nicht geklappt hat, habe ich mich umso mehr gefreut. Also schaute ich mir das Ganze an und bin zu einem Gespräch in die Schweiz gefahren. Ich bekam dann auch relativ schnell die Zusage. Natürlich kann man nicht immer auf Beziehungen setzen. Sie helfen einem vielleicht im ersten Step, letztendlich muss man aber natürlich dann trotzdem durch sein Wissen und Können überzeugen….Was ich dann geschafft habe… 

Deine Ausbildung war sehr praxisbezogen. Wie wichtig ist es, neben der Kreativität auch die technischen Fähigkeiten mitzubringen, die einem ermöglichen, alle Schritte von der Kollektionsplanung, über die Erstellung bis hin zur schnitttechnischen Umsetzung und dem tatsächlichen Erstellen an der Nähmaschine, nachvollziehen und in der Planung einbeziehen zu können?

Ein Basiswissen ist wie in jeder anderen Branche das A und O. Alles andere, was dann kommt, das lernt man. Aber es ist natürlich von Vorteil ein breitgefächertes Spektrum bereits mitzubringen, denn man kommt wesentlich schneller in die Abläufe hinein und hat ein besseres Verständnis für die einzelnen Schritte der Kollektionserstellung. 

Sicher sind alle angehenden Modedesigner ganz neugierig darauf, was sie in der Welt nach dem Studium oder der Ausbildung erwartet. Erzähl mal ein bisschen was über Deinen Job. Wie arbeitet man bei JOOP!?

Gute Frage…. Man lernt relativ schnell, dass die Vorstellung, alles sei kreativ, nicht real ist. Man arbeitet grösstenteils administrativ, das heisst z.B. an Skizzen, Style-Informationen, Lieferantenkommunikation oder auch im Bereich Research, etc.. Vieles davon passiert am PC. 

Man hat aber auch noch den kreativen Part, wie Moodboards, Farb- Trimming- & Fabricauswahl, Fittings, Messebesuche, Stadtinfo usw. Wichtig ist, dass man sich im Team abstimmt und vorab klärt, wer welche Idee umsetzt, um letztendlich eine stimmige Kollektion erstellen zu können. 

Wie kreativ geht es bei Euch zu? Könnt ihr selbst noch viel gestalten, oder ist bei einem Unternehmen wie JOOP! bereits sehr viel vorgegeben, bevor das eigentliche Erstellen der Kollektionen losgeht?

Jede Kollektion beginnt mit einem Design-Briefing, in dem einzelne Themen & Farben vorgestellt werden. Danach erarbeitet man ein Konzept, indem man die Komplexität einer Kollektion je nach Produktgruppe festlegt. Man geht in die Research, zeichnet Styles, bespricht sie mit seinem Modellmacher und sucht Fabrics & Trimmings passend zum jeweiligen Thema. 

Nach geraumer Zeit bekommt man dann seinen Proto, den man dann beurteilt. Das alles geschieht in einem straffen Zeitfenster. Wenn dann alles passt, gibt man den Prototypen für die Salesmen Samples frei. 

Wie kann man sich den Prozess der Kollektionserstellung vorstellen? Über wie viele Instanzen gehen die Entwürfe, bis sie tatsächlich umgesetzt werden?

Das kann man gar nicht genau sagen, da jede Produktgruppe und jede Firma anders funktioniert. In der Regel hat man 1 bis 2 Vorabteile, an denen man sich Style und Passform anschaut. Danach muss bestenfalls alles passen. 

Hast du einen Tipp für Modestudenten, worauf sie gerade bei der Bewerbung um einen Job in einem so großen und strukturierten Unternehmen wie JOOP! achten sollten? Was zählt mehr: eine gute Mappe, ein kreatives Anschreiben oder der erste Eindruck?

Meiner Meinung nach, sollte man – egal ob beim Anschreiben, in der Mappe oder im Gespräch – sich immer treu bleiben. Das ist authentisch und man selbst fühlt sich wohl dabei. Dementsprechend „verkauft“ man sich auch gut und kommt dann auch gut an. 

Es ist natürlich auch von Vorteil, sich vorab über die Firma zu informieren, denn es werden immer mal gerne Fragen zum Unternehmen gestellt. Außerdem ist es wichtig, sich auf die Stelle selbst vorzubereiten. 

Und zu guter Letzt, ist es gerade in einem Modeunternehmen wichtig, wie man sich kleidet. Das Outfit sollte schon zum Brand passen. Z.B. sollte man in einem „Casual“-Unternehmen nicht gerade im „Hosenanzug“ auftauchen. Angezogen ja, spießig nein. 

Hand aufs Herz: Als du dich damals für Modedesign entschieden hast, war es dein Traum in einem großen Unternehmen zu arbeiten, oder hattest auch du – wie die meisten Modedesign-Studenten – den Traum von einer großen Karriere im Modebusiness und einem eigenen Label?

Solange ich mich erinnern kann, wollte ich Schneiderin werden. Später wurde es dann der Modedesigner. 

Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Kleider, Stoffe und Farben. Ich war schon als Kind in der Schule im Handarbeitskurs und habe auch meine Praktika in einer Näherei gemacht. Daher war mir immer klar, was ich machen möchte. Ob nun in einem Unternehmen oder einem eigenen Label – Hauptsache Mode. Und ich bin immer noch glücklich mit meiner Entscheidung. 

Wie realistisch ist es heutzutage, sich für ein eigenes Label zu entscheiden und zu versuchen den Durchbruch zu schaffen? Muss man da eine Nische treffen oder glaubst Du daran, dass man mit viel Talent, Schweiß und Durchhaltevermögen heute noch als Designer durchstarten kann?

Ich denke, die Branche zeigt immer wieder, dass man auch weit kommen kann. Mit viel Ehrgeiz und Durchhaltevermögen kann man einiges erreichen. Man muss nur für sich selbst rausfinden, was der richtige Weg ist und wo man glücklich ist. 

Wenn du den Werdegang deiner damaligen Kommilitonen anschaust, gibt es da Durchstarter, deren Namen wir uns merken sollten? Und gibt es auch Beispiele bei denen man klar erkennt, der Druck in dem Business ist zu hoch und nicht jeder hält diesem stand?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich den Werdegang meiner Kommilitonen grösstenteils nicht gut verfolgt habe. Ich weiß, dass viele mittlerweile als Designer arbeiten. Der eine oder andere hat sicher eine Karriere hingelegt. Wieder andere haben die Branche komplett gewechselt. 

Man sollte sich bewusst sein, dass nicht alles immer so ist, wie man es in den Medien gezeigt bekommt. Es herrscht immer Zeitdruck und die Arbeit ist selten wenig. Da kommt es durchaus öfter vor, dass es kein Wochenende gibt. Daher ist Burnout auch keine Seltenheit mehr. Aber in welcher Branche ist das heutzutage nicht so…. 

Wenn du noch einmal am Ende deiner Ausbildung stehen würdest, würdest du alles noch einmal genauso machen oder einen anderen Weg einschlagen?

Aus der heutigen Sicht würde ich sicherlich das eine oder andere anders machen, aber ich muss auch sagen, dass mich gerade diese Erfahrungen weiter gebracht haben. Wenn ich mich also noch einmal entscheiden könnte, würde ich einen ähnlichen Weg gehen. 

Wo siehst du dich selbst in zehn Jahren?

Oh, das ist schwer zu sagen, da ich nicht gerade der Mensch bin, der sein Leben plant. 

Ich lasse die Dinge auf mich zukommen und entscheide meist aus dem Bauch heraus. Daher, wer weiß, was ich in 10 Jahren mache….

Alle Bilder stammen von Sandra.

Josephine

#Superfrollein, bereit jeden Tag das Glück zu suchen, Neues zu entdecken und das Leben in vollen Zügen zu genießen. #Girlboss #Herzmädchen #Wortakrobatin #Chillerperle Mehr über Josephine

No Comments Yet

#HauRaus!

Your email address will not be published.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>