#LassMaSchnacken – Michael Michalsky über die Berlin Fashion Week 2015

Die Berlin Fashion Week 2015 steht vor der Tür. Ein paar Tage vor dem großen Mode-Rummel haben wir Michael Michalsky zum Interview gebeten. Der Berliner Designer verzichtet diese Saison auf seine legendäre StyleNite, die immer den krönenden Abschluss der Berliner Fashion Week bildete, um den Betrag, den er normalerweise für sein Fashion-Event investieren würde, an die “Ärzte ohne Grenzen” für den Kampf gegen Ebola zu spenden. Sehr lobenswert! Trotz seiner Abstinenz auf dem Runway hat uns Michael Michalsky viel zu erzählen, auch und besonders über die Fashion Week in seiner Wahlheimat Berlin…

Für gewöhnlich bildet Deine StyleNite den krönenden Abschluss der Berlin Fashion Week. In diesem Jahr hast Du Dich dafür entschieden, die Show und die anschließende Party abzusagen und stattdessen den Betrag, den das Event normalerweise kostet, an die “Ärzte ohne Grenzen” zu spenden. Das ist sehr großzügig und beweist Herz. Erklär mal, wie Du zu dieser Entscheidung gekommen bist.

Schon sehr lange engagiere ich mich für ein Waisendorf in Tansania. In diesem Dorf wird den Kindern Sicherheit, ärztliche Versorgung und vor allem eine Zukunft gegeben. Dadurch bin ich emotional sehr mit Afrika verbunden und der aktuelle Ebola-Ausbruch schockiert mich zutiefst. Ich will helfen und ein Zeichen setzen. Deshalb spende ich an Ärzte ohne Grenzen. Aber eine Spende allein war mir nicht genug. Ich möchte auch zum Nachdenken anregen. Wir sollten ab und zu hinterfragen, wie wir leben und was wir tun. Deshalb habe ich mich entschieden im Januar auf die StyleNite zu verzichten. Das war keine leichte Entscheidung aber ich bin sicher, eine gute.

Das Ganze ist für einen so etablierten Designer schon etwas Ungewöhnliches. Was sagen Deine Kollegen und andere Designer zu dieser Entscheidung? Hast Du da mal ein Feedback erhalten oder ist das etwas, was für Dich eher zweitrangig ist?

Natürlich ist mir die Meinung anderer Design-Kollegen nicht egal, aber bei solch emotionalen Entscheidungen überlege ich grundsätzlich nicht, was andere dazu sagen könnten. Wenn ich von etwas überzeugt bin, mache ich das. Und die Reaktionen geben mir Recht, das freut mich natürlich dann besonders. Wir haben für diese Aktion von sehr vielen Kunden, Händlern, Kooperationspartnern und Redakteuren durchweg positive Nachrichten und Unterstützungs-Emails erhalten. Ich wollte ein Zeichen setzen, dass es auf der Welt auch noch andere Probleme gibt und wir uns selbst nicht immer zu ernst nehmen sollten. Andere Menschen haben ganz andere und teilweise viel größere Probleme. Dafür wollen wir mit der Aktion sensibilisieren. Und ich denke, das ist uns gelungen. Gutes Tun steckt an!

Was erwartet uns dieses Jahr in Deinen Kollektionen? Und wirst Du sie evtl. in einem anderen Rahmen noch einmal präsentieren?

Auf die Fashion-Show habe ich zugunsten der Ebola-Bekämpfung verzichtet. Aber vielleicht wird es überhaupt Zeit, unser Business etwas anders zu betrachten. Die Branche hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Manche Dinge zum Guten andere nicht. Ich habe diese Veränderungen (bewusst oder unbewusst) schon vor zwei Seasons mit der Weiterentwicklung meiner Männerkollektion aufgegriffen. Unter der Headline „ATELIER MICHALSKY“ entwickle ich die Männermode konzentrierter und höherwertig. Nicht mehr so breit. Die Headline lautet: “Weniger Masse, mehr Stil.” Das drückt es sehr schön aus und spiegelt auch den Nachhaltigkeitsgedanken wider. Diesen Ansatz übernehme ich jetzt auch für die Frauen. Das schafft mir die Möglichkeit, mit den Händlern anders zusammen zu arbeiten. Ich möchte auch in der Kooperation mit unseren Geschäftspartnern wieder mehr Qualität und Austausch. Als Designer möchte ich die Händler unterstützen, die noch Wert auf Beratung und Style legen. Denen die Auswahl Ihres Angebotes wichtig ist. Den Fach-Händler im guten alten Sinn.

Die Farbe des Jahres 2015 lautet offiziell ja Marsala. Ist diese Farbe auch für Dich in diesem Jahr ein absolutes Muss?

Naja, Marsala hatten wir ja schon. Obwohl ich zugebe, dass auch ich die Farbe schön finde. Als Basis und Beimischung sicherlich geeignet.

Auch wenn Du Deine persönliche Show, die StyleNite, abgesagt hast, werden uns auch in diesem Jahr wieder viele andere Designer ihre Kollektionen im Rahmen der Fashion Week Berlin präsentieren. Schaust Du Dir die Entwürfe Deiner Designer-Kollegen auch an, bzw. kann man Dich evtl. auch mal als Zuschauer im Zelt entdecken? Wenn ja, welches Label weckt Deine Neugier?

Ich schaue alle Shows an. Aber nur im Internet. Auch wenn ich keine große Show mache, geht unser Business ja normal weiter. Es gibt viele Termine und Meetings mit Kunden und Partnern. Für den Besuch anderer Shows fehlt mir leider die Zeit.

Fitting & Casting

Mit der Absage der Bread & Butter bzw. der Ausrichtung in einem wesentlich kleineren Rahmen hat die Berliner Modeszene eine Attraktion verloren. Als Grund wurde u.a. ein allgemeiner Umbruch in der Modewelt benannt und finanziell schwierige Zeiten, die gerade diese Branche momentan sehr treffen. Wie kannst Du Dir das erklären und betrifft das auch etablierte Labels wie MICHALSKY?

Die Modebranche ist sicherlich im Umbruch. Aber Veränderung ist immer gut und Berlin ist die flexibelste, experimentierfreudigste Stadt in Europa. Da mache ich mir aktuell keine großen Sorgen. Natürlich ist die Bread & Butter ein Verlust. Sie ist eine der Leitmessen der Branche. Allerdings ist Karl-Heinz immer für Überraschungen und neue Ideen gut. Warten wir ab, was passiert. Der Modestandort Berlin wird trotzdem seinen Weg weiter gehen. Deutschland ist als Mode-Land einfach zu stark. Zum Glück.

Berlin gilt Deutschlandweit als die Modemetropole und auch in Europa richten sich sehr viele Augen auf die Fashion-Szene unserer schönen Hauptstadt. Und trotzdem ist die Berlin Fashion Week immer die kleine graue Maus im internationalen Fashion Week Kalender. Wie erklärst Du Dir das?

Ich finde die Bezeichnung “kleine graue Maus” für die Berlin Fashion Week definitiv nicht passend. Berlin versteht sich, im internationalen Wettbewerb der Modestädte, als die Junge, im guten Sinne “unfertige” Modewoche. Aber Das ist doch gerade das Schöne und Spannende an Berlin. Wir sind in Bewegung. Viele kluge und kreative Leute experimentieren. Das macht die Stadt so reizvoll und zum Anziehungspunkt für Menschen aus der ganzen Welt.

Was könnte man Deiner Meinung nach hier in Berlin besser machen oder verändern, damit sich unsere Berlin Fashion Week unter den anderen großen Modewochen besser etablieren kann.

Der Ausfall eines großen Players wie die Bread & Butter schafft beispielsweise Platz für neue Anbieter. Die Nachfrage nach solchen Angeboten ist ja da. Ich denke, einige andere Messen werden die Gelegenheit nutzen und ihr Angebot ausbauen. Das gibt neue Impulse. Wir sollten uns etwas in Geduld üben. Ganz Deutschland kann froh sein, dass wir eine solche Kreativ-Metropole in unserem Land haben. Berlin hat weltweit ein unglaublich positives Image und dieses Image strahlt auf das ganze Land ab.

Alle Bilder stammen mit freundlicher Genehmigung von Michael Michalsky.

Josephine

#Superfrollein, bereit jeden Tag das Glück zu suchen, Neues zu entdecken und das Leben in vollen Zügen zu genießen. #Girlboss #Herzmädchen #Wortakrobatin #Chillerperle Mehr über Josephine

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