#LassMaSchnacken – Mit Michael Michalsky

In der vergangenen Woche waren wir fleißig auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin unterwegs. Sozusagen als krönender Abschluss der Modewoche stand für uns am Freitag dann auch die Michalsky StyleNite auf dem Programm. Bevor es aber zum großen Abschiedsevent gehen sollte, durfte ich wenige Stunden vor der Show den Berliner Designer Michael Michalsky treffen, um mit ihm über seine neue Kollektion zu sprechen, allerlei Mode-Insiderwissen auszutauschen und Backstage schon einmal die ersten Eindrücke, von dem, was uns am Abend erwarten sollte, zu sammeln.

Was ist das Must-have Deiner Kollektion, also das Teil, was jede Frau bzw. jeder Mann braucht?

MichalskyDas sind bei Männern auf jeden Fall die Sneaker. Ich bin ein Sneaker-Addict. Ich liebe einfach Styles, die eigentlich aus der Sportswear kommen, die ich aus dem Kontext herauslöse. Ich war einer der Ersten, der Jogginghosen für Frauen in der Luxusversion gemacht hat. Das haben die Leute am Anfang nicht so ganz verstanden. Inzwischen machen es alle. Dieses Mal werde ich für Frauen den next Step in diese Richtung machen und habe die Snap-Pants neu interpretiert. Das sind diese Hosen mit den vielen Knöpfen an der Seite aus den 80ern, die man mit einem Zack einfach so aufreißen kann. Die habe ich nur für Frauen gemacht, in butterweichem Handschuhleder und in Seidenjersey. Das ist für mich ein absolutes Must-have in dieser Saison. Und dann habe ich für Frauen auch noch – und das ist auch ein Must für mich – einen Skort gemacht. Der kommt aus dem Tennis und ist vorne Rock, hinten Hose. Den haben Tennisspielerinnen getragen, die nicht im Rock spielen wollten, weil sie vielleicht das Gefühl hatten, sie hätten zu kräftige Schenkel dafür. Das wird, glaube ich, ganz cool und das Ganze kombiniere ich zum Beispiel mit handgemachten Korsagen. Das Thema ist ja „Important Secrets“, da geht es um Protection und das symbolisiert für mich so ein bisschen die moderne Ritterrüstung. Außerdem benutze ich in dieser Saison auch sehr viel Weiß, weil Weiß für mich die Farbe der Unschuld ist. Bei „Important Secrets“ geht es um die Wahrung der Privatsphäre und darum, dass wir nicht mehr alle ausgeleuchtet und generalverdächtigt werden sollen und da habe ich Weiß als Methaper gewählt. Es signalisiert, dass wir erstmal alle grundunschuldig sind.

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Wie sieht Dein Signature-Look aus?

MichalskyIch setze immer auf vieles, was aus dem Sportswear-Bereich kommt. Ich finde, das datet auch nie, das kann man immer neu interpretieren. Am Anfang haben die Leute ja zum Beispiel gesagt, das ganze Sneaker-Ding wäre irgendwann wieder vorbei und man sieht es ja, das wird eigentlich nur immer noch größer und mehr. Das ist so wie mit Jeans. Da hat man in den 70ern auch gesagt: Achja, Designerjeans, die gibt es eine Saison… und jetzt ist es so, dass Jeans jede Saison wieder da sind. Aber diese ganze Sportswear-Geschichte, das bin schon sehr ich und das haben einige Leute anfangs eben einfach nicht verstanden, weil das für einen Designerlook sehr tragbar ist. Ich persönlich finde das nicht schlimm. Es kommt dann eben auf die Kombination an.

Was geht modisch gar nicht?

MichalskyWas gar nicht geht und das ist saison-unabhängig und damit kann man mich wirklich jagen… ich finde es gibt nichts Schlimmeres als Frauen, die offene Schuhe und dazu fleischfarbene Strumpfhosen tragen. Das gibt es leider sehr sehr häufig und man sieht das auch auf dem Red Carpet sehr oft. Ich meine, wenn es warm ist, zieht man eben eine Sandale an oder einen Peeptoe und hat schöne Fußnägel. Wenn man aber fröstelt, zieht man geschlossene Schuhe an. Ich verstehe einfach nicht, wie man diesen Look tragen kann. Das sieht immer hässlich aus. Das ist für mich das All-Time-Absolute-No-Go!

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Wie stehst Du zu Modeblogs? Welche Bedeutung haben Fashionblogs für Dich?

MichalskyÜber Modeblogger wurde ja früher ganz oft gebitcht und gelästert. Ich habe schon immer ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu Modebloggern, weil ich es einfach modern und zeitgemäß finde. Ich bin auch immer für die Demokratisierung von Mode. Ich finde die Zeiten, in denen irgendwelche Eliten in der Front Row sitzen, die dann irgendwelchen Leuten erzählen, was in oder was out ist und eigentlich gar keinen Bezug zur Realität haben, sind vorbei. Heute leben wir einfach in einer anderen Zeit, als die, in der ich zum Beispiel studiert habe. Da musste man eben noch eine italienische VOGUE bestellen und die dann drei Wochen später beim Kiosk abholen. Wenn ich mich heute für Mode interessiere, kann ich auf irgendeine Website gehen und sehen, was gerade in Tokio passiert. Das finde ich gut. Es gibt natürlich auch Qualitätsunterschiede. Wenn ich heute eine Fashionshow mache, dann kriege ich drei Monate vorher irgendwelche E-Mails: „Hallo, meine Name ist XYZ. Ich komme aus blablubbtralala. Ich habe gerade einen Blog gegründet und ich habe 123 Follower. Außerdem bin ich in meiner Stadt das It-Girl. Bitte schickt mir zwei Karten für die Front Row.“ Ich glaube, dass sich Qualität bei den Bloggern durchsetzt und die, die ich qualitativ gut finde, die lade ich natürlich auch ein, weil ich gerne mit denen rede.

Lässt Du Dich auch mal von Modeblogs inspirieren? Hast Du da irgendeinen Favoriten?

MichalskyEs gibt ein ganze Menge guter Blogs. Die will ich hier jetzt nicht aufzählen, weil ich das dann unfair gegenüber den anderen finde, die ich nicht aufzähle. Das ist ja auch einfach eine Geschmackssache. Für mich ist vor allem das Gesamtergebnis wichtig. Mir geht es nicht nur um den Inhalt, der ist natürlich sehr sehr wichtig, aber mir geht es zum Beispiel auch darum, wie sich die Blogger darstellen. Wie sieht das Layout aus? Haben die ein Logo? Daran kann man ja auch schon sehen, ob jemand wirklich into it ist, ob der das lebt oder das macht, weil irgendwie alle das machen und hofft, umsonst zu irgendwelchen Shows und Parties zu kommen oder irgendwelche Produkte geschenkt zu kriegen. Da stellt sich dann nämlich oft auch raus, wer dafür Geld bekommt und wer nicht. Das gibt es ja heutzutage auch, dass manche von denen nicht mehr so unabhängig sind, wie sie es mal waren. Das finde ich ja auch in Ordnung, wenn jemand ein gutes Produkt abliefert, dann soll der davon ja auch leben können, aber bei manchen erkennst du eben dann auch, dass das nicht authentisch ist. Ich persönlich finde Blogger am tollsten, die über Streetstyle berichten, weil ich ja nun immer für Marken gearbeitet habe, die sehr von der Jugendkultur inspiriert sind. Das sehe ich auch als meine Main-Inspiration. Wichtig ist mir auch die Verbindung zur Musik. Deshalb mache ich die StyleNite. Das ist nicht einfach nur eine Fashionshow. Ich möchte das in einen popularkulturellen Zusammenhang setzen. Musik inspiriert mich. Ich finde, ohne Musik gibt es keine Fashion. Wenn man nicht zumindest ein bisschen Ahnung von Musik hat, versteht man auch nicht, warum es bestimmte Looks gibt, warum bestimmte Teile sich durchsetzen oder warum die Leute heute Sneakers anhaben oder warum Leute früher angefangen haben Jeans zu tragen. Das ist ja alles ein Wandel. Für meine Arbeit finde ich es einfach interessant zu sehen, wie Leute auf der Straße bestimmte Sachen, also Fragmente nehmen und diese für sich wieder zu einem neuen Look zusammensetzen. Das finde ich cool und das inspiriert mich. Auch Reviews zu Fashionshows finde ich auf Blogs meist interessant.

Online-Magazin oder Printzeitschrift?

MichalskyMode ist immer im Wandel und da will ich nicht erst sechs Monate später in einem Printmedium über die neusten Looks lesen. Das ist für mich heutzutage nicht mehr aktuell und das merken die selbst auch. Deshalb sind ja auch deren Websites alle so viel besser geworden. Ich habe zum Beispiel fast alle meine Printmedien abbestellt. Als ich noch bei Adidas war, hatte ich für das Design-Team ungefähr 250 Magazine abonniert, weil wir weltweit gearbeitet haben und da waren die eben auch noch wichtig. Heute gibt es in meinen Augen kaum noch tolle Printmagazine. Da gehe ich lieber auf die Website dieses Printmediums, weil die zum Teil auch vom Layout viel toller aussehen als die Zeitschrift und weil es aktueller ist, immer neu bespielt. Wenn ich mir dann nochmal eine Printzeitung kaufe, dann kaufe ich mir eine, die ich auch wirklich sammle. Die Candy hole ich mir zum Beispiel immer. Da ist es mir dann auch egal ob die 50, 30, 70 oder was weiß ich wie viele Euro kostet, weil ich das cool finde, dass sich da jemand Mühe gibt und sich überlegt, wie das Papier aussieht, wie schwer das ist, wie die Zeitung riecht, wie die gebunden ist, wie groß die ist, wie klein… Das finde ich cool. Aber für diese Sachen, die ich früher alle so abonniert hatte, da schaue ich eigentlich nur noch online.

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Die Berliner Fashion Week wird im internationalen Vergleich ja immer eher belächelt. Wie siehst Du das?

MichalskyDas höre ich ja schon lange – eigentlich von Day One. Mal ganz ehrlich, ich finde, dass die Berlin Fashion Week eine Erfolgsstory ist. Natürlich geht es rauf und runter und natürlich gibt es mal Leute, die hier nicht mehr zeigen. Das hat aber alles unterschiedliche Gründe. Das passiert ja nicht aus dem Grund, weil die Berlin plötzlich nicht mehr cool finden oder weil hier nichts passiert, sondern manche Labels sind ja weggegangen, weil sie einfach pleite sind oder weil sie einen neuen Besitzer haben oder weil sie sich auf einen anderen Markt konzentrieren wollen… Dafür sind auch andere dazu gekommen. Man kann wirklich sagen, dass Berlin eine sehr kreative Stadt ist und auch sehr influancial, sonst würden nicht jedes Wochenende tausende von jungen Leuten aus der ganzen Welt hierher kommen, weil die diesen Spirit mal erleben wollen. Hier entsteht auch viel und modisch wird das immer besser. Natürlich wird Berlin nie Paris und nie Mailand sein, aber will es das überhaupt? Als die Fashion Week in New York angefangen hat, vor 15 oder 20 Jahre, die gibt es ja auch noch nicht so lange, hat man die auch belächelt. Da gab es fünf Shows. Als ich 1990 in New York gelebt habe und ein Praktikum gemacht habe, da gab es da auch ein Zelt und da gab es, glaube ich, sieben Shows. Inzwischen gibt es da um die 200 Shows. Die sehen das da aber ganz anders und supporten das auch ganz anders. Ich wünsche mir manchmal einfach ein bisschen mehr Lokalpatriotismus. Es ist aber auch einfach so eine typisch deutsche Eigenschaft, dass man immer alles schlecht redet. Das finde ich echt schade. In Paris oder Mailand gibt es auch Sachen, die sind nicht gut, aber das würden die da nie schreiben. Deutschland ist ein sehr wichtiger Modemarkt. Hier wohnen 82 Millionen Menschen und hier entsteht kreativ sehr viel. Deutschland ist bekannt für gutes Produktdesign. Jeder in der Welt kennt Porsche, Mercedes, Audi, BMW. Jeder steht auf die Produkte von Braun, das war die Vorlage für alle Apple Produkte. Es gibt tolle Architekten, die wichtigsten lebenden Künstler kommen aus Deutschland und und und… Ich finde, das zeigt doch eigentlich schon, dass hier viel los ist. Ich finde es schade, dass die, die am lautesten über das meckern, was in Deutschland passiert, die Deutschen selbst sind.

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Online-Magazin oder Printzeitschrift?

MichalskyMode ist immer im Wandel und da will ich nicht erst sechs Monate später in einem Printmedium über die neusten Looks lesen. Das ist für mich heutzutage nicht mehr aktuell und das merken die selbst auch. Deshalb sind ja auch deren Websites alle so viel besser geworden. Ich habe zum Beispiel fast alle meine Printmedien abbestellt. Als ich noch bei Adidas war, hatte ich für das Design-Team ungefähr 250 Magazine abonniert, weil wir weltweit gearbeitet haben und da waren die eben auch noch wichtig. Heute gibt es in meinen Augen kaum noch tolle Printmagazine. Da gehe ich lieber auf die Website dieses Printmediums, weil die zum Teil auch vom Layout viel toller aussehen als die Zeitschrift und weil es aktueller ist, immer neu bespielt. Wenn ich mir dann nochmal eine Printzeitung kaufe, dann kaufe ich mir eine, die ich auch wirklich sammle. Die Candy hole ich mir zum Beispiel immer. Da ist es mir dann auch egal ob die 50, 30, 70 oder was weiß ich wie viele Euro kostet, weil ich das cool finde, dass sich da jemand Mühe gibt und sich überlegt, wie das Papier aussieht, wie schwer das ist, wie die Zeitung riecht, wie die gebunden ist, wie groß die ist, wie klein… Das finde ich cool. Aber für diese Sachen, die ich früher alle so abonniert hatte, da schaue ich eigentlich nur noch online.

Die Berliner Fashion Week wird im internationalen Vergleich ja immer eher belächelt. Wie siehst Du das?

MichalskyDas höre ich ja schon lange – eigentlich von Day One. Mal ganz ehrlich, ich finde, dass die Berlin Fashion Week eine Erfolgsstory ist. Natürlich geht es rauf und runter und natürlich gibt es mal Leute, die hier nicht mehr zeigen. Das hat aber alles unterschiedliche Gründe. Das passiert ja nicht aus dem Grund, weil die Berlin plötzlich nicht mehr cool finden oder weil hier nichts passiert, sondern manche Labels sind ja weggegangen, weil sie einfach pleite sind oder weil sie einen neuen Besitzer haben oder weil sie sich auf einen anderen Markt konzentrieren wollen… Dafür sind auch andere dazu gekommen. Man kann wirklich sagen, dass Berlin eine sehr kreative Stadt ist und auch sehr influancial, sonst würden nicht jedes Wochenende tausende von jungen Leuten aus der ganzen Welt hierher kommen, weil die diesen Spirit mal erleben wollen. Hier entsteht auch viel und modisch wird das immer besser. Natürlich wird Berlin nie Paris und nie Mailand sein, aber will es das überhaupt? Als die Fashion Week in New York angefangen hat, vor 15 oder 20 Jahre, die gibt es ja auch noch nicht so lange, hat man die auch belächelt. Da gab es fünf Shows. Als ich 1990 in New York gelebt habe und ein Praktikum gemacht habe, da gab es da auch ein Zelt und da gab es, glaube ich, sieben Shows. Inzwischen gibt es da um die 200 Shows. Die sehen das da aber ganz anders und supporten das auch ganz anders. Ich wünsche mir manchmal einfach ein bisschen mehr Lokalpatriotismus. Es ist aber auch einfach so eine typisch deutsche Eigenschaft, dass man immer alles schlecht redet. Das finde ich echt schade. In Paris oder Mailand gibt es auch Sachen, die sind nicht gut, aber das würden die da nie schreiben. Deutschland ist ein sehr wichtiger Modemarkt. Hier wohnen 82 Millionen Menschen und hier entsteht kreativ sehr viel. Deutschland ist bekannt für gutes Produktdesign. Jeder in der Welt kennt Porsche, Mercedes, Audi, BMW. Jeder steht auf die Produkte von Braun, das war die Vorlage für alle Apple Produkte. Es gibt tolle Architekten, die wichtigsten lebenden Künstler kommen aus Deutschland und und und… Ich finde, das zeigt doch eigentlich schon, dass hier viel los ist. Ich finde es schade, dass die, die am lautesten über das meckern, was in Deutschland passiert, die Deutschen selbst sind.

Alle Bilder stammen von Alexander Kania vom Cropped Magazine.

Anna

#PowerPuffGirl mit ausgeprägten Hang zur Lebensfreude, hat Hummeln im Po und Flausen im Kopf. #Schnackerperle #Bullshitqueen #AusDerReiheTänzerin #Piratenprinzessin Mehr über Anna

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