#LassMaSchnacken – Jinsik Moon, Blogger aus Korea

Durch unsere Fotografin Hye Mi Joe, lernte ich neulich auf der Stormy Monday Party des Filmhouse Germany den Blogger Jinsik Moon kennen. Der quirlige Koreaner machte nicht nur mit seinem coolen Look, sondern auch mit seiner guten Laune sofort auf sich aufmerksam. Nach einem lustigen Abend war klar, Jinsik ist nicht nur ein interessanter Mensch, sondern auch ein echter Insider in Sachen Mode- und Lifestyle.

Im Interview erzählt er uns heute, wie es ihn nach Deutschland verschlagen hat, was er über den Berliner Style denkt und welche Namen wir unbedingt auf unserer Merkliste haben sollten, wenn es um koreanische Mode geht.

(READ HERE THE ENGLISH VERSION)

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In Korea arbeitest Du erfolgreich als Blogger, Art Director und Space Branding Spezialist. Bloggen und Art Direction sind geläufige Begriffe für die Meisten. Aber erzähl mal ein bisschen mehr über das Space Branding. Was waren Deine letzten Projekte und wer engagiert einen Space Brander? 

Ich habe sowohl in dem Bereich Mode-Marketing als auch im Space Branding gearbeitet. Für den Designer Lie Sang Bong war ich im Mode-Marketing tätig. Er wird auch der „koreanische Karl Lagerfeld“ genannt und ist sehr bekannt. 

Beim Space Branding geht es eigentlich um alles, was im Raum passiert. Wir bieten unseren Kunden Räume aber auch speziell für sie entwickelte Raumkonzepte an, die es möglich machen, ein kulturelles Ereignis nicht nur zu erleben, sondern auch zu spüren. Es ist ein bisschen wie das Produkt- oder Label-Branding in der Mode, nur dass wir Ideen eben optisch in einem Raumkonzept oder einer Rauminstallation ausdrücken. 

Ich habe in Korea bei der Firma URBANTRAINER gearbeitet, die unter anderem die Konzepte für die Gestaltung der PLATOON KUNSTHALLE, den CLUB OCTAGON und das Design für die Bühne der Special Olymics 2013 in Pyung Chang entwickelte. URBANTRAINER haben sich auf besonders kreative Projekte und Aufträge spezialisiert, die jedoch leider ziemlich rar in der koreanischen Unternehmenskultur sind. Das letzte Projekt, an dem ich mitgearbeitet habe, war der Auftrag für das Design der Bühne für die Special Olympics 2013 in Pyung Chang. Es war ein tolles Projekt. Lustig, aufregend und manchmal auch ein bisschen schwierig, da es gerade für mich das erste internationale Projekt war. Eine tolle Erfahrung.

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BERLIN, BERLIN

Zur Zeit bist Du zu Besuch in Deutschland. Wie lange bist Du schon hier und was machst Du so? 

Ich bin schon seit fast acht Monaten hier in Berlin. Eigentlich mache ich nichts Besonderes, ich lebe einfach hier. 

Den Entschluss nach Berlin zu gehen, habe ich gefasst, als ich in Korea an einen Punkt gelangte, an dem ich einfach nur müde von meinem Alltag war. Ich wollte mich einfach neu finden und meine Talente entdecken. 

Als ich hier ankam, fühlte es sich komisch an, einfach alles etwas langsamer und lockerer anzugehen. Ich wollte irgendetwas Bedeutendes machen und erleben. Aber genau das setzte mich schon wieder unter Druck und ich hätte fast vergessen, dass ich genau aus diesem Grund Korea verlassen hatte. 

Also habe ich mich dazu entschlossen, wie ein Berliner zu leben, Konzerte und Ausstellungen zu besuchen und Freunde zu treffen. Natürlich habe ich mir auch einfach mal die Zeit genommen über meine Zukunft nachzudenken.

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Jinsik Moon

What About Style

Du hast einen speziellen Style: Witzige Haare, eine coole Brille usw.. Ist das ein typischer Style für einen Koreaner? 

Ich selbst würde meinen Style schon als typisch koreanisch beschreiben. Im Vergleich zu meinen Freunden, sind meine Haare und meine Accessoires sehr normal. Natürlich ist das kein normaler Business-Look, aber ich denke, dass Menschen, die im kreativen oder kulturellen Bereich arbeiten, sich im Allgemeinen ein wenig stylischer und eher trendgerecht kleiden. Gerade Koreaner sind sehr trendbewusst. Was gerade in Korea als normaler Style durchgeht, würde man hier vielleicht als Hipster-Style beschreiben. 

Wie siehst Du den „deutschen Style“? 

Als ich nach Berlin kam, habe ich gar keinen typischen Style der Berliner mitbekommen. In meiner Fantasie hatte ich große Vorstellungen von der deutschen Architektur, Designprodukten und natürlich auch von der Mode. Was ich hier sah, ließ meine großen Erwartungen aber platzen. 

Ich fragte mich immer: „ Sie/er hat so einen perfekten Körper und ein tolles Gesicht. Wie kann es sein, dass sie/er sich keine Gedanke um seinen Style macht?“ Einer meiner Freunde hat mir dann die Frage beantwortet – und die Antwort war ziemlich simpel: „Weil sie sich einfach nicht dafür interessieren.

Sie haben keine Zeit, sich über ihre Kleidung Gedanken zu machen. Sie nutzen die Zeit viel lieber, um etwas zu tun, was sie lieben.“

Wie ich den deutschen Mode-Stil also beschreiben würde: praktisch. 

Was sind die größten Unterschiede zwischen der Art wie Koreaner und Deutsche sich kleiden? Sind die Deutschen in Sachen Mode einfach „einfacher“ und nicht so experimentierfreudig? 

Der größte Unterschied liegt darin, dass Koreaner sich stylen, um aufzufallen. Versteh mich nicht falsch, das trifft nicht auf jeden zu, aber sehr viele folgen jedem Trend, den sie von Celebrities oder den Medien vorgelebt bekommen. Es geht nicht mehr darum seinen eigenen Style auszudrücken. 

Wie du schon sagtest, ist der deutsche Style sehr einfach und eher praktisch. Vielleicht experimentieren Deutsche einfach nicht mit ihrem Look, weil es ihnen egal ist, was die anderen über sie denken. Ich bin mir sicher, dass wenn sie etwas mehr darauf achten würden und sie ihren eigenen Stil kreieren würden, dann könnte Berlin zu einer weiteren Fashion Metropole wie Paris, London, Mailand oder New York werden.

 

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Für europäische Augen wirkt der asiatische Style immer ein bisschen zu bunt und verrückt. Findest Du, dass Dein eigener Look diesem Klischee entspricht? Oder ist dieser vermeintliche „asiatische Look“ nur ein Bruchteil von dem, was den asiatischen – und in deinem Fall koreanischen – Kleidungsstil wirklich ausmacht? 

Hahaha. Ich bin mir sicher, dass es für Europäer so aussieht. Asiaten haben im Allgemeinen ein sehr großes Interesse an Mode und Schönheit. Natürlich auch Koreaner, Japaner und Chinesen. Manchmal wird das hier auch missverstanden. Ich zum Beispiel, werde hier viel öfter von Jungs als von Mädchen angesprochen. Ich freue mich natürlich, dass mein Look gut ankommt, aber da ich auf Mädchen stehe, bringt das beiden Seiten nicht viel. Hahaha. 

Aber es stimmt: Zu sagen, dass der „asiatische Style“ bunt und verrückt ist, erfasst es nicht richtig. Ich glaube viele Asiaten orientieren sich stark an den Trends, die sie in den Medien sehen. Aber es gibt auch viele, die das Ganze kritisch sehen und sich heute ihren eigenen, ganz speziell für sie charakteristischen Stil suchen. Damit will ich sagen, dass der asiatische – und besonders koreanische – Modestil ein breites Spektrum zu bieten hat.

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Blogger Jinsik Moon

Fashion Insider

Welche Labels sind in Korea gerade angesagt? Und welche Trendthemen spielen dort gerade eine große Rolle? 

Die bekanntesten Labels sind Acne, Maison Martin Margiela und IRO. Das sind aber auch die Labels, die ich mag, also vielleicht fällt es mir nur deshalb auf, wenn viele Leute sie tragen. Viele Koreaner hegen ein sehr großes Interesse an Mode und Trends und Marken wie woodwood, Silent Daimir Doma und viele andere Street Brands sind gerade sehr beliebt. Trendmäßig orientieren sich viele an G-Dragon, dem größten Hipster Koreas. (Anm. d. Redaktion: G-Dragon, Kwon Ji-yong, ist ein südkoreanischer Popmusiker, Songwriter und Produzent. Außerdem arbeitet er als Model.) Als ich noch in Korea war, waren Street Styles und Mix&Match Casual Looks sehr angesagt. 

Eine Frage an Dich als Experten: Welche Namen (Designer, Blogger, Models, Labels usw.) sollten wir uns merken. Hast Du einen Geheimtipp oder siehst Du schon Tendenzen in Sachen zukünftige „Fashion Stars“, von denen wir in Zukunft ganz sicher mehr sehen und hören werden? 

Ich würde mir mal die Designer Ko Tae Yong’s von „Beyond Closet“ und Choi Jong Kyu’s von „This is never that“ anschauen. Das sind meine beiden Favoriten. Außerdem sollte man sich die momentanen Fashion Stars, die Models

Kim Jin Kyung and Kim Won Joong merken. Auch Kim Sang Woo, der in London als Model arbeitet, sollte man mal im Gedächtnis behalten.

Home, Sweet Home

Du fliegst in ein paar Tagen wieder nach Hause. Was wirst Du am meisten vermissen und was wirst Du aus Deutschland mitnehmen? 

Ich werde wahrscheinlich die Leute, die ich hier in Berlin kennengelernt habe, am meisten vermissen. Die Zeit, die ich hier mit ihnen verbracht habe, war so kostbar und wunderbar. Wenn ich etwas mit nach Hause nehmen könnte, wäre es das Selbstbewusstsein der Leute hier. 

Wenn ich wieder in Korea bin, werde ich für das Eye Wear Label „Lapiz sensible“ als Brand Manager arbeiten. Wir werden versuchen nächstes Jahr unser Geschäft auch auf den europäischen Markt auszuweiten. Vielleicht sehen wir uns ja dann wieder.

 

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8 schnelle Fragen:

Nenne 3 Eigenschaften, die Dich am besten beschreiben. 

Ich bin ein Geek, metro-sexuell und nett. 

Was ist für Dich der „Place to be“? 

Der Voo Store am Kotti. 

Nenne drei Dinge, ohne die Du nie das Haus verlässt. 

Brille, Portemonnaie und iPhone. 

Nenne drei Dinge, ohne die Du nicht leben kannst. 

iPhone, Drinks und Freunde. 

Und drei Dinge, auf die Du leicht verzichten könntest. 

Zigaretten, Aspirin und Coke. 

Was würde Dich glücklicher machen: Ein Designer-Stück, für das Du lange sparen musstest, oder ein tolles Schnäppchen aus dem Schlussverkauf. 

Ein Designerteil würde mich glücklicher machen. Es wäre natürlich toll, wenn ich es günstiger bekomme, aber allein das Anschauen macht mich schon auch glücklich. 

Und was ist mit Originalen: Sind teure Original-Teile die einzige Option, oder tut es auch eine günstigere, aber gut gemachte Kopie für Dich? 

Auch wenn die Qualität gut wäre, mag ich generell

keine Kopien. Wenn man ein Designer-Stück kauft, kauft man ja auch immer die Philosophie des Designers mit.

Alle Bilder stammen von Hye Mi Joe.

Josephine

#Superfrollein, bereit jeden Tag das Glück zu suchen, Neues zu entdecken und das Leben in vollen Zügen zu genießen. #Girlboss #Herzmädchen #Wortakrobatin #Chillerperle Mehr über Josephine

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