Generation Y und die Sache mit dem ultimativen Lebensplan

In den Möglichkeiten unser Leben zu gestalten, waren wir wohl noch nie zuvor so frei wie dieser Tage. Mit ein bisschen guten Willen, Mut und Biss kann unsere Generation im Grunde tatsächlich all das werden, was wir uns als kleine Knirpse in unseren tollkühnen Köpfchen in wildesten Fantasien und mit kunterbunter Wachsmalkreide ausgemalt haben. Ja, und da… fängt das Problem schon an. Wo irgendwie alles möglich und nichts mehr grundsätzlich ausgeschlossen ist, fehlt doch irgendwie die Orientierung bzw. müssen wir uns diese eben selber schaffen. Der ultimative Lebensplan muss her und natürlich weiß das WWW alle fünf Minuten ein neues Nonplusultra der Lifegoals aus dem Hütchen zu zaubern. Und während die gesammelte Facebook Crowd im Minutentakt Hände klatschend vom Workaholic zum Aussteiger zur Übermom – wahlweise mit oder ohne Karriereambitionen – zum Fitnessguru switcht, duselt’s mir den Magen flau…

Ich habe ja ohnehin so meine Schwierigkeiten mit Verallgemeinerungen. Ein Weg, der für den einen funktioniert, muss für den anderen nicht automatisch auch ins Wonderland führen, schließlich trägt jeder von uns ein individuell geschnürtes Päckchen voller Erfahrungen, Prägungen und Lebensumständen mit sich herum. Nichtsdestotrotz ist der Wunsch nach Orientierung im Leben natürlich auch für mich nachvollziehbar. Während die Generation unserer Eltern diese Orientierung noch stark im Außen finden konnte und ihnen ein gewisser Lebenswgiphyeg bereits vorskizziert war, dürfen bzw. müssen wir den Stift schon selbst ansetzen und kunterbunt drauflosmalen. Aber auch wenn Mutti und Vati sich wohl ab und an mehr Freiheiten gewünscht hätten, nimmt ein gewisser vorgefasster Rahmen, in den wir uns zu fügen habe, doch auch ein gutes Stück Verantwortung von den Schultern des Einzelnen. Kein Wunder also, dass unser Augenlid da nervös zu zucken beginnt, wenn sich unsere Zukunft noch im nebligen Dunkel befindet, während man im Freundeskreis in Gedanken oder am Stadtrand bereits das Eigenheim baut. Dabei kann ein wenig Planlosigkeit sogar ganz befreiend sein.

Zugegeben, ich habe allgemein so meine Schwierigkeiten mit dem Pläne schmieden und muss mir da wohl oder übel den gefürchteten „Generation planlos“-Stempel aufdrücken lassen. Angefangen bei der simplen Verabredung zum Kaffee über den gemeinsamen Einkaufsbummel mit der BFF bis hin zum Telefonat mit der Mutti, die jedes Mal, wenn mal wieder ein Besuch in der elterlichen Heimat ansteht, rechtzeitig abfragt, wann genau das Töchterchen denn gedenke anzureisen, gerate ich angesichts der Tatsache meine Ankunft möglicherweise mehr als ein paar Stunden vor Eintritt eben jenes Ereignisses planen zu müssen in latente Panik. Wieso jetzt schon festlegen? Woher soll ich denn wissen, wie und wonach ich mich nächste Woche Samstag um zwölf Uhr mittags so fühle? Ja, das ist vermutlich tatsächlich typisch für die Fraktion „Bloß nicht festlegen“ und ich gelobe Besserung, aber das ist irgendwie auch noch einmal eine andere Geschichte… Was die langfristige Lebensplanung jedenfalls betrifft, sollten wir uns alle ein bisschen entspannen. Nicht aber, weil man sich grundsätzlich nicht auf eine bestimmte Sache festlegen will, schließlich könnte man ja unzählige andere Optionen verpassen, sondern vielmehr weil das ganz große Geplane gar nicht unbedingt nötig ist. Meistens macht die Realität nämlich ohnehin, was sie will und am Ende gibt’s bloß wieder enttäuschte Gesichter.

Was nicht heißen soll, dass ein ausgeklügelter Lebensplan per se schlecht ist. Wir sollten uns bloß keinen Stress machen, wenn wir keinen haben. Anstatt uns ständig selbst unter Druck zu setzen, in dem wir irgendeinem gehypten Lifegoal gerecht werden wollen und uns mit den anderen vergleichen, sollten wir lernen unsere Freiheit auszuhalten, unsere Vielfalt zu feiern und unsere Zweifel zuzulassen – aus dem einen oder anderen lässt sich am Ende nämlich eine ziemlich hübsche Geschichte basteln. Nicht jedes Schwanken zum Drama machen und die eigene Planlosigkeit als Chance begreifen, an einem Punkt im Leben zu stehen, an dem wir eben dieses frei nach Schnauze gestalten können. Und selbst, wenn wohl die meisten von uns wahrscheinlich zumindest eine wage Vorstellung davon, wo die Reise einmal hingehen soll – in gewissen Punkten ist so ein „für immer“ ja durchaus angebracht, schließlich war ich noch nie für halbe Sachen zu haben, entweder ganz oder gar nicht (Wenn nicht für immer, warum dann jetzt?) – sollten wir, sollte dieses „für immer“ dann aber doch mal scheitern, nach ausgiebigstem Heulen, Trampeln und Fluchen, aber am Ende wieder aufstehen, weitermachen und das nächste „für immer“ suchen, auch wenn der Plan eigentlich ganz anders aussah. Da hilft es dann, mal ein bisschen von Tag zu Tag leben und die Dinge so nehmen, wie sie kommen und am Ende, wer weiß, hat das Ganze ja tatsächlich ein wenig Ähnlichkeit, mit dem, das wir einst mit bunter Kreide auf die Straße kritzelten…

Anna

#PowerPuffGirl mit ausgeprägten Hang zur Lebensfreude, hat Hummeln im Po und Flausen im Kopf. #Schnackerperle #Bullshitqueen #AusDerReiheTänzerin #Piratenprinzessin Mehr über Anna

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