Geht’s eigentlich noch ’ne Spur persönlicher? – Klar!

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Wisst Ihr noch, früher, als man Menschen getroffen hat und sie tatsächlich ansprechen musste, ich meine, ein richtiges Gespräch aufbauen musste, um sie kennenzulernen, um zu erfahren, was ihre Hobbies sind, ihre liebsten Sendungen, welche Musik ihnen gefällt oder wo sie gerade arbeiten? Ja genau, damals, die Zeit vor Facebook und Co.. Die Zeit, als man sich darüber kaputtgelacht hat, was für merkwürdige Gestalten beim Googlen des eigenen Namens auftauchen, die Zeit, in der man eine überschaubare Menge an Freunden hatte und nicht etwa 10k Follower. Klar, das ganze Social Media Zeugs hat natürlich Vor- und Nachteile. Seien es die größeren, wie etwa problemlos Kontakt zu Freunden von der anderen Seite der Weltkugel halten zu können, oder die kleineren, wie etwa der ganze Schnick-Schnack-Zeitvertreib von Spielen über Tests und unterhaltsamen Artikelchen und Bildern – Social Media macht’s möglich!

Und als hätte er einen alten DeLorean in der Garage geparkt, hat uns Andy Warhol bereits vor Jahren prophezeit, wie sich der ganze Kram noch entwickelt: „In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes“. Denn mit dem ganzen Hype kam allem voran der Selbstdarstellungswahn, die Mein-Leben-ist-besser-als-deins-Attitude, das Wetteifern um Follower und Likes, die bis heute keine Grenzen gefunden haben. Nein, ganz im Gegenteil es wird von Mal zu Mal persönlicher. Denn nach Facebook, bei dem sowieso bereits die ganze Persönlichkeit schriftlich festgehalten wird und per Status jede ach so bedeutende Kleinigkeit des Alltags zelebriert werden kann, und nach Instagram, was dank Fotofunktion nicht nur private Einblicke Eures Lebens für die ganze Welt zugänglich macht, sondern dank wunderbarer Filter auch noch kaschiert und stets ins beste Realitätsverlust-Licht rückt, ist jetzt auch Snapchat ganz groß.

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Persönlicher oder doch eher peinlicher ging’s nicht mehr? – Pah, falsch gedacht! Jetzt wird jede spannende Sekunde per Videobotschaft festgehalten. Ob’s der neueste Foodie unter den #healthygirls ist oder auch nur der Weg zur Post (richtig gelesen, der Weg zur Post..) – alles wird dokumentiert und für die Fangemeinde zugänglich gemacht. 24hours könnt Ihr Eure liebsten Bloggermädchen, ebenso wie Eure tatsächlichen Freunde verfolgen, oder sagen wir vielmehr begleiten, denn jetzt hat man ja das Gefühl immer live an allem teilzunehmen und die Menschen tatsächlich kennenzulernen. #Bestimmt. Aber mal ganz ehrlich, geht’s noch?! Ja ok, zugegeben, die App hab ich selbst auch auf meinem geliebten Smartphone und ja, ich nutze sie auch sehr gerne, um mit meinen Liebsten in Verbindung zu stehen und seien es nur die ganzen geilen Smileyfunktionen über die man sich jawohl jedes mal wieder bepissen könnte! Und nochmal ja, ab und an ist so eine „Story“ auch mal ganz nett – vor allem, wenn ein wichtiges Bestandteil deiner Crew für ein Jahr nach Amerika zieht oder man einfach feststellen musste, das die besten Freunde nicht für immer nebenan wohnen können.

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Aber zurück zum Wesentlichen: Ich kann es einfach nicht verstehen, warum Menschen, die in einer übertrieben aufgesetzten Art und Weise beim Öffnen ihrer Augen als erstes in die Handykamera starren, nur um uns allen mitzuteilen, dass sie bereits beim Aufwachen tip top überschminkt sind, Millionen von Leuten auf der ganzen Welt begeistern und an ihre Videos binden. Interessiert Ihr Euch alle tatsächlich für ihr Frühstück, bestehend aus einer zugegeben sehr geilen Brot-Ei-Avocado-Variante, für ihr #ootd, für ihr überdrehtes Geschwafel auf dem Weg zum nächsten VIP-Event? Menschen, die viel erleben, die hübsch anzusehen sind, die einfach einen gewissen Status haben waren ja schon immer irgendwie interessant, – ich meine, nicht umsonst kaufen wir uns alle mal ganz gerne eins der zahllosen Tratsch-Magazine – aber diese ganze Selbstdarstellerei nervt. Zumal, wenn eine große Menge der damit erfolgreichsten Leute einfach nichts tut. Nada! Klar, Dein Outfit ist ganz schön und wenn Du mir sagst, hey, der Pulli ist übrigens von Zara, dann ist das eine halbwegs praktische Info für mich, aber da hört es dann auch schon wieder auf. Und wenn sich Dein Nutzen für die Menschheit nur darauf beschränkt und Du Dich dann auch noch selbst feierst, als hättest Du das Rad neu entdeckt, dann, um es in einer zeitgenössischen Sprache auszudrücken,  #wtf #ootdichselbst #fitfoodfresse #like4weninteressierts.

Das Titelbild stammt von snapchat.com

Johanna

#Zuckermädchen, dass zu geilem Essen und Trinkspielen kaum "nein" sagen kann, mit 'ner ordentlichen Portion Frohsinn durch die Welt tanzt und nur Quatsch unterm blonden Wuschelschopf hat. #Fratzenqueen #Schnapsschwester #Knalltüte #Grinsekatze Mehr über Johanna

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