Die Sache mit den Achselhaaren und dem Feminismus

Ja, auch ich habe hier schon mal gut und gerne die Feministin raushängen lassen und möchte bei den gängigen Macho-Attitüden der Herrenriege ab und an schon mal spontan erbrechen, aber manch ein Versuch, die Weiblichkeit aus ihren von einer patriarchischen Gesellschaft festbetonierten, perfektionsgeprägten „Hauptsache makellos und appetitlich“-Stereotypen zu erretten, stößt auch bei mir nicht unbedingt auf Beifall klatschende Begeisterung. Wenn Miley Cyrus ihre wuchernden Achselhaare pink einfärbt und stolz nebst ihren eingesudelten Käsemauken auf Instagram präsentiert, hat das für mich genauso viel mit Emanzipation zu tun, wie eine Tofu-“Wurst“ mit Fleisch. Und wenn sich fünf sogenannte Feministinnen zusammentun und auf erwähnter Social-Media-Plattform behaarte Beine, Pickelchen und Damenbärte posten, verhält es sich für mich nicht anders…

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Man mag mir nun Scheinheiligkeit und Heuchelei vorwerfen oder mich möglicherweise doch für eine von unserer schönheitswahnsinnigen, Männer dominierten Gesellschaft gebrainwashte Pseudo-Feministin halten. Ich empfinde mich aber nicht als weniger emanzipiert, wenn ich mir regelmäßig Beine, Achseln und Co. enthaare. Ganz einfach, weil es mir und nicht etwa der Männerwelt da draußen gefällt und ein gewisses Wohlgefühl verschafft. Und selbstverständlich darf ich mich über Menstruationsbeschwerden beklagen, auch wenn manch ein übersensibles Muttersöhnchen wohl noch immer peinlich berührt zusammenzuckt, sobald wir das Wort „Periode“ aussprechen. Aber mal ehrlich, da stehen wir doch wohl drüber. Ist ja ohnehin lächerlich, wenn man mal bedenkt, dass das die gleichen Kerle sind, die stolz wie Bolle jegliche Ausscheidung ihres eigenen Körpers feiern, als hätten sie gerade ihr Erstgeborenes auf die Welt gebracht. Ich muss deshalb aber definitiv nicht der versammelten Instagram-Crowd meinen blutverschmierten Schritt offenbaren, um mich als eigenverantwortliche Frau zu fühlen. Und nicht etwa, weil ich mich für diese Regung des meinen weiblichen Körpers unfassbar schäme, sondern schlicht und ergreifend, weil ich Euch ja auch nicht aufs Smartphone scheiße, weil mir gerade danach ist.

Ich meine, die Damen Sarah Lee, Arvida Byström, Molly Soda, Alexandra Marzella und Rupi Kaur können ja gerne machen, knipsen, posten, was sie wollen. Mit Feminismus hat das für mich aber wenig zu tun und irgendwie erinnert das Ganze doch ziemlich stark an dämliche Klischees über Frauenrechtlerinnen, die wir, wie ich gehofft hatte, doch längst hinter uns gelassen hatten. Am Ende untergräbt sich unser schöner Feminismus, wenn wir uns solche Aktionen plakativ auf die Fahne schreiben, wohl doch wieder einmal selbst und avanciert – zumindest für Außenstehende – zur Frustbewegung verbitterter Emanzentrullas, die, weil sie sich auf gar keinen Fall patriarchischen Zwängen unterwerfen möchten, ja, nicht einmal in den Verdacht geraten wollen, dieses zu tun, auf die regelmäßige Beinrasur und den Gebrauch von Deodrants verzichten. Natürlich erregt Provokation immer die meiste Aufmerksamkeit, aber nur weil Du am lautesten schreist, nimmt man Dich deshalb nicht zwangsläufig besonders ernst… Klar darfst Du Dir einen Damenbart stehen lassen, wenn es Dir gefällt. Lass Dir meinetwegen den ganzen Körper zuwuchern. Du bist dafür niemandem Rechenschaft schuldig und doch muss letztlich das Bild der selbstbestimmten modernen Frau dafür herhalten. Wie selbstbestimmt können wir aber sein, wenn wir uns das Körperhaar nicht bloß aus Schönheitsempfinden und Wohlgefühl wachsen lassen, sondern nur um nicht ins Ästhetik-Raster eines anderen zu fallen. Nenn es also Selbstverwirklichung, nenn es eine Laune, aber bitte nenn es nicht Feminismus. Das Ganze macht Dich nämlich weder emanzipierter als mich, wenn ich mir all morgendlich die Lippen zum roten Kussmund male, noch die Sache an sich glaubhafter. Knall den Rasierer in die Ecke. Nenn Dich Feministin. Aber nenn Dich nicht Feministin, weil du es fortan fleißig spießen lässt!

Warum überhaupt sollten wir Feminismus an irgendwelchen Äußerlichkeiten festmachen? Ist es letztlich nicht genauso schwachsinnig Achselhaare und Damenbärte zu proklamieren, wie XS-Taille und Superbusen? Ich jedenfalls werde das Gefühl nicht los, dass wir uns pausenlos selbst für fremdgesteuert und daher unmündig erklären. Wenn ich mich entscheide diese oder jene Veränderung an meinem Äußeren vorzunehmen oder eben nicht, sollte es doch weder damit zu tun haben, dass ich mich von irgendeinem Beautydiktat dazu genötigt fühle, noch damit, dass ich eben diesem, aus anders gearteten, aber nicht weniger idealistischen Beweggründen, den erhobenen Mittelfinger zeigen möchte, sondern einzig und allein mit dem höchst eigenen Wohlbefinden. Und wenn das am Ende bedeutet, dass Du es lieber wuchern lässt, ja, dann soll auch das so sein. Alles andere – ob nun in die eine oder andere Richtung gedacht – degradiert uns letztlich doch bloß wieder zum Mitläufer eines vorherrschenden Hypes oder Opfer gesellschaftlich aufgezwungener Idealvorstellungen. Ich brauche jedenfalls weder Achselhaar noch Lippenstift, sondern lediglich ein aufgewecktes, kritisches Köpfchen, um mich als emanzipierte junge Frau zu fühlen.

Ein von @buddhastears gepostetes Foto am

Ein von Rupi Kaur (@rupikaur_) gepostetes Foto am

Die Bilder stammen von Instagram/buddhastears, Instagram/arvidabystrom, Instagram/bloatedandalone4evr1993, Instagram/artits6666 und Instagram/rupikaur_

Anna

#PowerPuffGirl mit ausgeprägten Hang zur Lebensfreude, hat Hummeln im Po und Flausen im Kopf. #Schnackerperle #Bullshitqueen #AusDerReiheTänzerin #Piratenprinzessin Mehr über Anna

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